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Trockenheit nicht nur für Wald eine Gefahr: Hessen-Forst warnt vor herabfallenden Ästen

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Von: Matthias Lohr

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Folgen der Trockenheit: Trotz eines relativ regenreichen Winters fehlt im Boden nun wieder Feuchtigkeit. Diese Bäume liegen am Essigberg um.
Folgen der Trockenheit: Trotz eines relativ regenreichen Winters fehlt im Boden nun wieder Feuchtigkeit. Diese Bäume liegen am Essigberg um. © Andreas Fischer

Der regenreiche Winter hat dem Wald gut getan. Doch der trockene März erhöht die Waldbrandgefahr und stresst die Bäume. Auch für Menschen kann das gravierende Folgen haben.

Kassel – Am Sonntagmorgen stellte sich Langstreckenläufer Martin Sauer aus Lohfelden darauf ein, nasse und dreckige Füße zu bekommen. Zumindest an einer Stelle auf seiner 24 Kilometer langen Laufrunde durch die Söhre ist es zu dieser Jahreszeit immer matschig. Doch selbst auf diesem Teilstück des Ars-Natura-Wanderwegs oberhalb von Wellerode war es nun staubtrocken. Bei Instagram postete Sauer ein Bild, wie er mit seinem Kumpel durch den sonnendurchfluteten Wald läuft, dazu den Kommentar: „Der helle Wahnsinn, wie trocken der Wald im März sein kann. Nicht gut.“

Auch andere Waldbesucher machen in diesen Tagen ähnliche Erfahrungen. Wie kann es sein, dass es nach dem regenreichen Winter schon wieder so trocken ist? Und wie gefährlich ist das für den Wald, um den sich Fachleute nach vielen trockenen Sommern ohnehin Sorgen machen?

Einer von ihnen ist Uwe Zindel. Der Leiter des Forstamts in Wolfhagen hatte bereits mit wenig Niederschlag in diesen Wochen gerechnet, denn „der März ist immer einer der trockensten Monate“. Im Mittel werden 50 Millimeter Niederschlag verzeichnet. Doch dann fiel bis gestern den gesamten Monat über kein einziger Tropfen. Den letzten Niederschlag davor gab es in ganz Hessen laut Deutschem Wetterdienst (DWD) am 25. Februar. „So etwas kommt nicht häufig vor“, sagt der dortige Agrarmeteorologe Andreas Brömser.

Das hat Folgen nach dem relativ regenreichen Winter, der in ganz Hessen laut Brömser mit 200 Millimetern „insgesamt eine Spur nasser war als das durchschnittliche Mittel“ von Dezember bis Februar. Dies gelte auch für die Werte in und um Kassel.

Laut Hessen-Forst-Mann Zindel war der Regen im Winter „positiv für die oberen Bodenschichten bis 50 Zentimeter. Nun sind diese Schichten wieder trocken.“ Weiter unten sei das Regenwasser ohnehin kaum angekommen. Weil dort aber vor allem ältere Bäume ihre Wurzeln haben, würden sie anfälliger für Pilze.

Er hofft nun darauf, dass die Fichten genügend Harz produzieren. So werden die Kauwerkzeuge des Borkenkäfers verklebt. Der Schädling kann keine Weibchen anlocken und sich nicht so leicht fortpflanzen.

Die trockenen letzten Wochen erhöhen zudem die Waldbrandgefahr. In der Nähe von Staufenberg-Sichelnstein brannten bereits am Sonntag etwa 5000 Quadratmeter Wald. Dies ist zu dieser Jahreszeit aber gar nicht so ungewöhnlich. Da es noch keine Vegetation gibt, fehlt Schatten und Feuchtigkeit an der Oberfläche. Laub und Gras sind trocken.

„Es reichen einige Tage Sonnenschein und ein Funke, damit ein Feuer entfacht wird“, sagt Zindel. Wie im Hochsommer sollte man also auch jetzt erst recht darauf achten, im Wald nicht zu rauchen und kein Feuer zu machen.

Die Trockenheit hat aber nicht nur Folgen für die Natur, sondern auch für die Menschen. Wegen der extremen Sommer von 2018 bis 2020 können tote Äste von weit oben herunterfallen – kleine und große. „Es gibt ein erhöhtes Lebensrisiko im Wald. Das wird auf Jahre so bleiben. Dem muss sich jeder Besucher bewusst sein“, warnt Zindel: „Bei Wind sollte man den Wald meiden.“

Der Forstamtsleiter wünscht sich, dass es in den nächsten Wochen und im April ordentlich regnet. Beim DWD kann man ihm allerdings keine Hoffnungen machen. Heute soll es noch einmal regnen. Bis Mitte nächster Woche soll es wieder trocken sein. Danach ist alles offen. (Matthias Lohr)

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