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Trockenheit macht Wespen immer aggressiver: Diese Tipps helfen wirklich

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Das kann gefährlich werden: Wespe auf einem Marmeladenbrot.

Kassel. Wer Wespen tötet, muss mit einer Strafe rechnen - sie sind geschützt. In diesem trockenen Sommer sind die Insekten aber besonders lästig. Wir zeigen, wie man sie am besten vertreibt.

Aktualisiert am 20. August, 12.30 Uhr: Wespen scheinen in diesem Sommer besonders lästig zu sein. Und das hat einen Grund: die Trockenheit. Wie man die Tiere am besten vertreiben kann, haben wir getestet. „Die anhaltende Trockenheit und Wärme führen dazu, dass Wespen auf ihrer Suche nach Feuchtigkeit und Nahrung aufdringlicher und gegebenenfalls aggressiver sind als sonst“, sagt Dr. Kai Füldner, Direktor des Kasseler Naturkundemuseums.

Zuletzt griffen Hornissen an der Elbe eine Gruppe von Rentnern an. Acht Senioren wurden verletzt, einer der Betroffenen musste gar ins Krankenhaus. Das ganze passierte passenderweise in Schnakenbeck. In die heimischen Krankenhäuser kommen immer mehr Menschen, die von Wespen gestochen wurden. In Bremervörde wiederum tötete ein 82-Jähriger zahlreiche Wespen mit einem Gasbrenner. Gegen ihn läuft nun ein Ordnungswidrigkeitsverfahren nach dem Naturschutzgesetz.

Doch gibt es in diesem Sommer auch mehr Wespen? Zwar komme es durch das warme Frühjahr auch in Kassel und der Region zu einer erhöhten Population, diese sei aber mit Blick auf die Schwankungen der vergangenen Jahre und im Vergleich zu anderen Insekten nicht außergewöhnlich hoch, sagt Füldner.

Trotzdem verzeichnen Kasseler Drogeriemärkte eine deutlich höhere Nachfrage nach Insektensprays, Duftkerzen und Leimfallen. Das bestätigte dm-Geschäftsführer Sebastian Bayer auf Nachfrage unserer Zeitung. Dabei steht der Höhepunkt der Wespensaison im September und Oktober erst noch bevor. Gut möglich, dass sich auch die Auftragslage bei den Kasseler Kammerjägern noch verändert. Dennis Karl vom Herkules Hygieneservice etwa erhalte in diesem Jahr zwar „den einen oder anderen Anruf mehr wegen Wespen“, der Unterschied sei aber nicht signifikant.

Wespen töten: Die Strafen

Wespen stehen unter Naturschutz - ohne vernünftigen Grund darf man sie daher weder töten, noch fangen oder verletzen. Laut dem Bundesnaturschutzgesetz könnten in Hessen und Niedersachsen für das grundlose Töten theoretisch 5.000 Euro anfallen. Für das Töten einer Wespe, deren Art geschützt ist, sogar 50.000 Euro. 

Allerdings handelt es sich hierbei um den Höchstsatz für das Töten von wild lebenden oder besonders geschützten Arten - eine extra Regelung für Wespen gibt es nicht. Und ein solches Bußgeld wurde laut dem Recherchezentrum Correctiv, das die Umsetzung der Bußgeldregelungen in verschiedenen Bundesländern überprüft hat, bisher nicht für das Töten einer Wespe verhängt. Meist reiche eine Verwarnung aus, in Nordrhein-Westfalen wurden lediglich einmal für das Zerstören eines Nests 45 Euro fällig. 

Wespennester entfernen

Für das Entfernen eines Nestes fallen laut Karl Kosten ab 65 Euro an. Meldungen über unseriöse Schädlingsbekämpfer, die Wucherpreise von mehreren hundert Euro verlangen, häufen sich derzeit. Polizeisprecher Torsten Werner rät, sich in solchen Fällen nicht zu scheuen, die Polizei einzuschalten. Da Wespen unter Naturschutz stehen, ist das Entfernen eines Nestes laut der Unteren Naturschutzbehörde ohnehin nur erlaubt, wenn akute Gefahr für Menschen besteht, wie etwa in Kindergärten.

Wespen haben übrigens einen großen ökologischen Nutzen. Durch ihr Jagdverhalten sorgen sie für eine Balance innerhalb der Insektenwelt, sagt Füldner. Sie fressen Larven, faules Obst und Aas.

Lesen Sie dazu: Naturschutzbehörde warnt: Wespennester nicht grundlos zerstören

Wespen vertreiben: Hausmittel im Test

Wer bei diesen Temperaturen das Abendessen auf den Balkon oder die Terrasse verlagert, weiß, wie lästig die Wespen in diesem Sommer sein können. Nach ihnen zu schlagen oder sie anzupusten, kann im schlechtesten Fall einen schmerzhaften Stich zur Folge haben. 

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

Deshalb kursieren in Internet-Foren zahllose Methoden, wie man die Tiere am besten vertreiben kann. Wir haben vier Methoden getestet und sie von 1 (funktioniert gar nicht) bis 5 (funktioniert super) bewertet. So viel vorneweg: Nicht alle Versuchspersonen haben den Test ohne Stich überstanden. Tiere kamen für diesen Beitrag aber nicht zu Schaden.

Die Wasser-Methode: Und auf einmal kommt der Regen

Eine der am weitesten verbreiteten Methoden, um Wespen zu vertreiben, ist die Wassermethode.

Theorie: Um Wespen mit Wasser zu vertreiben, benötigt man lediglich eine Sprühflasche und einen funktionierenden Wasserhahn. Gibt man einen Wassernebel in Richtung Wespe ab, denkt diese, es fange an zu regnen und flüchtet instinktiv in ihr Nest – so die Theorie.

Praxis: Zum Abendessen auf dem Balkon haben wir ein Ahle-Wurscht-Brot als Köder ausgelegt. Es dauert keine Minute, bis die erste Wespe die Witterung aufgenommen hat und auf der in Scheiben geschnittenen Stracke landet. Die Sprühflasche im Anschlag, nehmen wir den ungebetenen Gast ins Visier. Ein Wassernebel senkt sich auf die Wespe, die auf dem schnellsten Weg das Weite sucht.

Fazit: Tatsächlich funktioniert die Wassermethode hervorragend. Jede angesprühte Wespe macht sich umgehend aus dem Staub. Einziger Nachteil: Das Ahle-Wurscht-Brot war am Ende auch nicht mehr ganz trocken. Trotzdem: Dafür gibt es volle fünf Punkte.

Die Kaffee-Methode: Röstaromen mal anders

Auch mit Gerüchen wird häufig experimentiert, wenn es darum geht, Wespen zu vertreiben. Den „Duft“ von verbranntem Kaffeepulver sollen Wespen zum Beispiel gar nicht mögen.

Koffein gegen Wespen: Der Geruch von glühend heißem Kaffeepulver soll die Insekten angeblich abschrecken.

Theorie: Es ist angeblich ein uralter Trick: Kaffeepulver oder Kaffeebohnen in ein feuerfestes Gefäß geben und anzünden. Der Kaffee beginnt zu glühen und setzt dabei Röstaromen frei, die Wespen angeblich auf den Tod nicht ausstehen können.

Praxis: Wir legen einen kleinen Teller mit Alufolie aus und verteilen drei gute Löffel Kaffeepulver darauf. Mit einem Streichholz wird das Ganze angezündet – und glüht dann für mehrere Stunden vor sich hin. Wespen schwirren fröhlich durch die Gegend – unserem Mittagstisch nähert sich allerdings keins der Tiere.´

Fazit: Tatsächlich bleibt das Essen von Wespen verschont – nicht aber die Geruchsnerven. Die Röstaromen des verbrannten Kaffees dürften wohl nicht jedermanns Fall sein. Vier von fünf Punkten.

Die Kupfermünzen-Methode: Wer den Cent nicht ehrt...

Ja, auch Kupfermünzen sollen durch ihren Geruch helfen, Wespen zu vertreiben.

Effektiv: Kupfermünzen.

Theorie: Angeblich mögen Wespen den Geruch von Kupfer nicht. Geeignet sind demnach Ein-, Zwei- und Fünf-Cent-Stücke. Indem man die Münzen zwischen den Fingern reibt und sie auf dem Tisch verteilt, sollen die Tiere ferngehalten werden können.

Praxis: Mit unserem Wurstgulasch nehmen wir auf der Terrasse Platz und einen Augenblick später summt es schon über unserem Teller. Also kramen wir ein paar Kupfermünzen aus dem Geldbeutel und verteilen sie auf dem Tisch. Im ersten Moment sind die Wespen recht unbeeindruckt. Also reiben wir die Münzen zwischen den Fingern. Kurze Zeit später rücken die Wespen tatsächlich ab.

Fazit: Die Kupfermünzen-Methode schlägt zwar nicht auf Anhieb an, zeigt allerdings nach etwas Reiben und Geduld durchaus Wirkung. Wegen der kleinen Wartezeit gibt es hier drei von fünf Punkten.

Die Papier-Methode: Keine Angst vor Nestern

Immer wieder liest man auch von zusammengeknülltem Papier als Mittel gegen Wespen.

Eher für die Tonne: Eine Papiertüte als Wespennest.

Theorie: Die Tüte aus graubraunem Papier soll einem fremden Wespennest ähneln und den Tieren signalisieren, dass hier bereits ein Schwarm beheimatet ist.

Praxis: Wir knüllen eine handelsübliche braune Papiertüte zusammen und hängen sie an den Gartenzaun. Bei so einem riesigen feindlichen Wespennest sollte sich jetzt niemand mehr an unser Essen trauen. Die zwei Wespen in der Müslischale sehen das anders. Unser „Nest“ haben sie gar nicht bemerkt.

Fazit: Die Papiermethode ist Quatsch. Das könnte daran liegen, dass sich Wespen gar nicht optisch, sondern über ihren Geruchssinn orientieren – und unsere Papiertüte daher kein bisschen bedrohlich finden. Einer von fünf Punkten, weil das Basteln so viel Spaß gemacht hat.

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

Lesen Sie dazu: Besonders hohes Risiko gestochen zu werden: 2018 ist ein Super-Wespenjahr

Von Maik Dessauer, Mona Linke, Mariel Blieffert und Rebekka Knoll

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