Sitze, Dekore, Schalthebel

Wie ein Kasseler Unternehmen den neuen VW Golf VIII mitentwickelte

Made in Kassel: eine Blende für ein Volkswagen-Fahrzeug. Achim Reitze und dessen Team entwerfen und designen die Teile und bauen Prototypen. Foto: Schachtschneider

Kassel. Wenn in zwei Jahren die achte Auflage des Volkswagen-Modells Golf auf den Markt kommt, ist das auch ein Verdienst des Design-Büros Trondesign aus Kassel.

Denn die 15 festangestellten und ebenso vielen freien Mitarbeiter des 1994 gegründeten Unternehmens haben mit ihrer Hände und Köpfe Arbeit Teile des Innenraums entworfen. Modelle und Prototypen gebaut. Zu den Spezialitäten der Kreativköpfe auf der Marbachshöhe gehören Mittelkonsolen, Schalthebel, Instrumententafeln, Dekorbänder, Tacho-Einheiten mit Lüftungsschlitzen, Türverkleidungen und Sitze.

Von der ersten Handzeichnung über Computer-Animationen, 3-D-Drucken oder ersten ausgefrästen Vorlagen bis hin zum endgültigen Muster eines Teils für die Serienfertigung ist es ein langer und mühsamer Weg mit unzähligen Abstimmungen, Rückschlägen und Neuanfängen.

„Das ist ein Jahre währender, mehrstufiger Prozess, an dessen Ende das sogenannte Design-Freeze-Modell steht“, erklärt der Chef und Eigentümer des Unternehmens, Achim Reitze. Erst wenn das „eingefrorene Modell“ vom Auftraggeber abgesegnet ist, ist klar, wie das Innere eines Autos später einmal aussehen wird. Die Kasseler arbeiten vielfach an Projekten, die erst Jahre später in die Serienfertigung gehen.

Trondesign: Entwürfe für Airbus

Trondesign verdingt sich nicht nur für die großen deutschen Autobauer wie Volkswagen, BMW und Daimler sowie für deren Zulieferer wie Continental, Johnson Controls und der zum französischen Peugeot-Citroën-Konzern PSA gehörenden Sitzhersteller Faurecia. Auch Flugzeugbauer und Bahntechnik-Hersteller bedienen sich der Fähig- und Fertigkeiten der Kasseler Design-Spezialisten. Im A 380 und im kleineren A 350 fliegt Trondesign im übertragenen Sinn mit. Denn auch für diese beiden Flugzeugtypen haben die Kasseler das Interieur mit designed. Ebenso für die Führerstände von Lokomotiven und S-Bahnen des deutsch-kanadischen Zugbauers Bombardier.

Aber bei Trondesign – der Name entsprang der Fantasie der einstigen Firmengründer – wird nicht nur mit dem Kopf gearbeitet. Wenn es daran geht, aus einer Zeichnung ein Modell zu erstellen, wird geschraubt, gesägt und geschweißt, geschliffen, lackiert, gesattlert und gepolstert. Und wenn das Design-Freeze-Modell steht, werden gemeinsam mit Partnern einbaufähige Prototypen für Tests mit Erlkönigen gebaut oder beispielsweise auch Getriebe-Imitate in Plexiglasgehäusen, um Strömungsversuche vorzunehmen.

Zwei Millionen Euro setzt Trondesign nach Angaben Reitzes um. Nach einer Auftragsdelle im Zuge des VW-Abgasskandals, in dessen Folge viele Entwicklungsprojekte gestoppt wurden, zieht das Geschäft wieder spürbar an. „Aber die Gewinnmarge ist nicht besonders gut“, sagt Reitze. Es gebe zu viele Anbieter und nicht genügend Aufträge. Er hat das Unternehmen mit zwei Partnern gegründet, die aber vor längerer Zeit ausgeschieden sind.

Trondesign in Kassel: Imagefilm

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