Trotz Virus brechend voll

Fahrgäste aus Kassel beschweren sich über Deutsche Bahn: „Viele hatten ihre Masken nicht auf“

Der Regional-Express 2 fährt lediglich zwei Fahrgastabteilen vom Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe nach Erfurt.
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Im Mini-Zug nach Thüringen: Der Regional-Express 2 fuhr auch am 16. Oktober wieder mit lediglich zwei Fahrgastabteilen vom Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe nach Erfurt.

Ständige Preiserhöhungen, Zugverspätungen und -ausfälle: Die Deutsche Bahn zieht immer wieder Ärger auf sich. Auch in der Coronakrise. Zwei Reisende berichten.

Kassel - Als Petra Gipmans am 9. Oktober mit dem Regional-Express 2 von Kassel-Wilhelmshöhe nach Erfurt fährt, herrscht im Zug dichtes Gedränge, es sind nur noch wenige Stehplätze vorhanden. Gipmans hockt eingequetscht in ihrem Sitz. Der Zug ist völlig überfüllt.

Was zunächst eher lästig erscheint, ist in Coronazeiten nicht ohne. „Während der Fahrt habe ich mich sehr unwohl gefühlt. Die Leute waren alle sehr nah, viele hatten ihre Maske nicht richtig auf“, sagt sie.

Der Zug sei mit lediglich zwei Waggons in Kassel-Wilhelmshöhe gestartet. Viel zu wenig, wie Gipmans findet. „Es kann doch nicht sein, dass die Bahn an einem Freitag nicht ausreichend Platz zur Verfügung stellt und sich die Leute so nah kommen müssen. Gerade in Coronazeiten ist das nicht hinnehmbar.“ Am Bahnhof in Hann. Münden beobachtet Gipmans, wie Fahrradfahrer mit ihren Rädern in den Zug steigen wollen. Doch der ist zu voll. Die Fahrgäste bleiben draußen, müssen auf einen anderen Zug ausweichen.

Deutsche Bahn während Corona: Überfüllter Zug leert sich erst kurz vor dem Ziel

Etwas mehr als zwei Stunden dauert die Fahrt bis in die thüringische Landeshauptstadt, erst kurz vor dem Ziel leert sich der Zug allmählich. „Ich war froh, als ich wieder draußen war. Ich habe mich wirklich unsicher gefühlt. Und das, obwohl die Bahn doch damit wirbt, wie sicher Bahnfahren auch in Coronazeiten ist“, sagt sie.

Und wie reagiert das Unternehmen auf die Vorwürfe? Eine Sprecherin: „Auf der Strecke nach Erfurt haben wir noch bis Ende Oktober eine Baustelle, die Auswirkungen auf die Fernverkehrszüge hat. Deshalb nutzen viele Fahrgäste die Regionalzüge als Umleitung nach Erfurt. Bei der genannten Verbindung haben wir die Kapazitäten bereits verdoppelt. Eine weitere Ausweitung ist leider nicht möglich.“ Darüber hinaus bekräftigt sie, dass Reisende in Zügen und Bussen der Deutschen Bahn verpflichtet sind, Mund und Nase zu bedecken.

Deutsche Bahn während Corona: Frau will nicht ins Risikogebiet fahren

Auch Claudia Haupt hat Ärger mit der Bahn. Im Januar hat sie ein Zugticket von Kassel nach München gekauft, um dort eine Familienfeier zu besuchen. Damals wusste sie noch nicht, dass das Coronavirus ihre Pläne lahmlegen würde.

Die Feier wurde abgesagt, die Zugtickets sind verfallen. Oder etwa doch nicht? Als Haupt der Bahn ihr Problem schildert, reagiert diese kulant, bietet ihr die Möglichkeit, das Ticket nach München und zurück bis 31. Oktober bei freier Zugwahl zu nutzen.

Für Haupt ist das jedoch nicht nachvollziehbar: „München ist ein Risikogebiet. Was macht es für einen Sinn, dort hinzureisen?“ Stattdessen wollte sie das Ticket in einen Gutschein umwandeln und damit eine Fahrt antreten, bei der das Ziel kein Risikogebiet ist. Für die Bahn sei es doch egal, welchen Zug sie auslaste.

Corona: Deutsche Bahn reagiert auf die Vorwürfe

Dazu teilt die Bahn-Sprecherin auf Anfrage mit: „Die Kulanzregelung gilt für alle Tickets. Flexpreis, Sparpreis und Super Sparpreis. Allerdings nur auf der Strecke, für die das Ticket auch gebucht wurde. Alles andere wäre schwierig, weil sich der Preis ja nicht zuletzt nach den zurückgelegten Kilometern berechnet.“

Haupt habe sich für ein Super Sparpreis-Angebot entschieden, dabei handele es sich um ein sehr günstiges Angebot, das im Gegenzug im Regelfall nicht stornierbar und zuggebunden sei, erklärt die Sprecherin.

Und weiter: „Wir gehen davon aus, dass sich unsere Kunden bewusst dafür entscheiden, auf die Stornierbarkeit zugunsten eines günstigen Preises zu verzichten. Dennoch haben wir aufgrund der Corona-Pandemie auch für die Super Sparpreis-Angebote die Sonder-Kulanz eingeführt, dass das Ticket an einem anderen Tag und in einem anderen Zug auf der gewählten Strecke genutzt werden kann.“ (Von Pascal Spindler)

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