„Das ist schon Leben hier“

Trotz 27 Monaten Baustelle: Anwohner begeistert von Goethestraße

Fährt mit dem E-Bike zur Arbeit: Fahrradhändler Rudi Edelmann. Foto:  Koch

Kassel. Die Baustellenphase über 27 Monate hat viele Anwohner genervt. Die Unannehmlichkeiten hätten sich aber gelohnt, sagt der 13-jährige Max-Ulrich Leinweber. Mit seinem Bruder Jonas und den Freunden Lionard und Johannes genießt er den Platz auf der für 8,5 Millionen Euro umgebauten Goethestraße.

Die Jungs spielen Fußball, fahren Rad oder machen Kunststücke mit dem Skateboard. Und das mitten im Vorderen Westen.

„Die Bürger haben sich den Straßenraum zurückerobert“, sagt Ortsvorsteher Steffen Müller (Grüne). Früher sei die Straße im Stil der 1970er-Jahre nur autofahrerfreundlich gewesen. Jetzt sei Platz für die Menschen da. „Im Sommer hat das fast ein südländisches Flair gehabt“, sagt Müller. Besonders am Rudolphsplatz, der zum beliebten Treffpunkt geworden ist.

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Viktor Böhm, der an der Pestalozzistraße wohnt, kommt hier oft mit seinem zweijährigen Sohn Maximilian her. Der kann auf dem breiten Boulevard Laufrad fahren. „Trotzdem muss man aufpassen“, sagt Böhm. Schließlich seien hier auch viele Jugendliche auf ihren Skateboards flott unterwegs.

„Das ist schon Leben hier“, fasst es Rudi Edelmann, der seinen Fahrradladen neben dem alten Finanzamt hat, zusammen. „Alles ist bestens, das Quartier hat eine Aufwertung erfahren.“ Einziges Problem seien die Parkplätze. Viele für Anwohner reservierte Stellflächen seien tagsüber frei. Wenn sich dann dort seine Kunden hinstellen würden, bekämen sie umgehend ein Knöllchen. „Zweimal am Tag kassiert hier das Ordnungsamt.“ Edelmann und seine Angestellten kommen deshalb nur mit dem Rad zur Arbeit.

Mehr Personal nötig

Beliebter Treffpunkt am Abend: (von links) Bertrand Cuesta, Isabel Gutierrez, Filippo Maniscaleo, Andrea Mergenthaler und Regina Schulz sitzen vor dem Chacal. Foto:  Malmus

Auch Julia Boczkowski, die in der Kneipe Chacal arbeitet, ist von der umgebauten Straße begeistert. Früher hätte es ausgereicht, wenn unter der Woche eine Servicekraft gearbeitet hätte. „Jetzt müssen wir immer zu zweit arbeiten, weil so viel los ist.“ Und das Beste sei, dass es keinerlei Beschwerden aus dem Umfeld gebe, wenn der Rudolphsplatz und die Fläche vor dem Chacal voll sind.

Stefanie Rodewald lebt mit ihrer Familie direkt am Platz. Die vielen Menschen in den Abendstunden stören sie nicht. Im Gegenteil. „Wenn das ab 21 Uhr hier im Sommer gerammelt voll ist, finde ich das toll. Das macht dieses Viertel doch aus.“ Für junge Familien sei dieser Wohnort einfach nur schön.

Es sei fast schon wie ein „kleiner Kiez“, sagt Anja Kroh, Inhaberin des Geschäfts Casseler Kinderzimmer. Seitdem der Boulevard fertig sei, habe sie noch mehr Kunden als früher. „Man merkt die totale Belebung. Hier ist richtig Leben. Besonders im Sommer.“ Auch Kirsten Koch, die nebenan bei „Carpe Diem“ arbeitet, zeigt sich von dem Boulevard begeistert. „Das ist wunderschön geworden.“

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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