Castor- Blockade-Training: Im Schmerzgriff ganz ruhig bleiben

Kassel. Rund ein Dutzend Kernkraftgegner hat am Sonntag in Kassel die Blockade von Castor-Zügen trainiert. „Die Teilnehmer werden darauf vorbereitet, was auf sie zukommen kann bei den Sitzblockaden.“

Das sagte der Trainer von der Anti-Atomkraft-Bewegung X-tausendmal quer, Sebastian Seelig.

Karin Queisser ist eine Veteranin des Widerstands gegen Atommülltransporte. Seit 30 Jahren mache sie bei Sitzblockaden mit und habe auch schon mal den Schlagstock eines Polizisten zu spüren bekommen, sagt die 61-jährige Kasselerin. „Man muss die Leute doch aufklären über dieses Monster“, sagt die Witwe. Damit meint Queisser den Castor-Atommülltransport, der am 27. November im Zwischenlager Gorleben ankommen soll. Schon einen Tag vorher wollen Atomkraftgegner im niedersächsischen Dannenberg demonstrieren.

aktualisiert um 20 Uhr

Queisser und 15 weitere Anti-Atom-Aktivisten aus Nordhessen haben sich am Sonntag im Alfred-Delp-Haus der katholischen Kirchengemeinde Sankt Familia auf dieses Wochenende vorbereitet. Pfarrer Harald Fischer hatte den Aktivisten kurzfristig ein Ausweichquartier geboten, nachdem der Veranstalter, die Bürgerinitiative Anti-Atom-Spaziergang Kassel, nach Diskussionen über die strafrechtlichen Aspekte eines Anti-Blockade-Trainings seine Buchung in einer Halle der Jean-Paul-Schule zurückgezogen hatte.

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Seelig sieht das entspannter. Die Strafbarkeit von Blockaden sei „ein Mythos“. „Das ist wie Falschparken“, sagt der 30-jährige Leipziger. Außerdem gebe es bei den angemeldeten Demonstrationen feste Regeln zwischen Blockierern und Polizei. Beispielsweise würden die Blockierer erst nach dreimaliger Aufforderung von den Beamten weggetragen. Eine gute Vorbereitung ist nach Ansicht der Blockierer dennoch wichtig. Denn nicht immer halten sich beide Seiten an diese Regeln. Da gebe es Polizisten, die beim Wegtragen schmerzhafte Griffe anwendeten oder ohne Not Pfefferspray einsetzten, wenn die Fernsehkameras mal in eine andere Richtung zielten, berichtet eine erfahrene Blockiererin, die anonym bleiben möchte.

Es gebe auch Beamte, die die Demonstranten mit Schimpfworten provozieren. Da dürften die Blockierer nicht mit gleicher Münze zurückzahlen, um sich nicht strafbar zu machen, sagt Seelig. In brenzligen Situationen gelassen und ruhig bleiben, sich innerhalb der Blockierergruppe gegenseitig beistehen, das seien wesentliche Ziele des Trainings, erklärt Seelig. Die Polizei sehe man nicht als Gegner, betonen viele der Trainingsteilnehmer. „Die meisten Polizisten sind human. Die machen diese Einsätze nicht gern. Die haben doch auch Angst vor der Verstrahlung“, sagt die Kasseler Blockade-Veteranin Queisser. (pdi)

Rubriklistenbild: © Archivbild: dpa

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