Kurzarbeit aber wieder deutlich gestiegen

Trotz Lockdowns weniger Arbeitslose in der Region Kassel

ARCHIV - 29.02.2016, Brandenburg, Potsdam: Das Logo der Agentur für Arbeit. Die Arbeitsinitiative Letschin wird als vierter Sozialbetrieb bei der Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen öffentlich gefördert. (zu „Vierter Sozialbetrieb macht Langzeiterwerbslose für Arbeitsmarkt fit“ vom 19.03.2018) Foto: Ralf Hirschberger/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Die Agentur für Arbeit hat die monatlichen Arbeitslosenzahlen für die Region bekannt gegeben.

Der nordhessische Arbeitsmark überrascht mit erstaunlich guten Zahlen. Trotz des Teil-Lockdowns ist die Arbeitslosenquote in der Region Kassel im November erneut gesunken.

Kassel - „Der regionale Arbeitsmarkt stemmt sich weiter erfolgreich gegen die Krise“, sagt Detlef Hesse, Leiter der Kasseler Agentur für Arbeit. Fragen und Antworten rund um die Entwicklung:

Wie haben sich die Zahlen im November entwickelt?

So gibt es im Agenturbezirk, zu dem neben der Stadt und dem Landkreis Kassel auch der Werra-Meißner-Kreis zählt, aktuell 17 034 Jobsuchende. Das sind 769 weniger als im Oktober, aber 3081 mehr als im November 2019. Die Arbeitslosenquote sank binnen Monatsfrist um 0,3 Punkte auf jetzt 5,9 Prozent.

Wer profitiert von dieser Entwicklung?

„Wir haben in allen Personengruppen ein Minus an Arbeitslosen gegen Oktober, vorneweg Jugendliche und junge Erwachsene“, sagt Hesse. Das liege zum einen daran, dass viele Jugendliche in diesem Jahr ihre Ausbildung coronabedingt verzögert gestartet hätten. Zum anderen habe die Nachfrage nach Zeitarbeitern in Nordhessen wieder zugenommen. „Das ist eher ein Thema für junge Menschen.“ Der Rückgang falle insgesamt deutlicher aus als in den Vorjahren, besonders im Bereich der der Arbeitslosenversicherung.

Konnten mehr Jobsuchende in Erwerbstätigkeit vermittelt werden?

Ja, die Zahl liegt laut Hesse über den Vorjahreswerten eines Novembers. „Gegenüber 2019 haben wir immerhin ein Plus von 22,8 Prozent oder 264 Integrationen“, betont der Agenturchef. Gleichzeitig sank allerdings die Zahl neuer Stellenangebote deutlich um 294 im Vergleich zum Vorjahresmonat. „Das verteilt sich über alle Branchen und zeigt die nachvollziehbare Vorsicht der Unternehmen in Krisenzeiten“, so Hesse.

Deutlich gestiegen ist binnen Jahresfrist die Zahl der Langzeitarbeitslosen (plus 1354). Woran liegt das?

Der Anstieg hängt laut Hesse zum einen mit der Verlängerung des Anspruchs auf Arbeitslosengeld zusammen, die es wegen der Coronakrise gibt. Die Betroffenen gelten als langzeitarbeitslos, wenn sie ein Jahr und länger auf Jobsuche sind. „Gleichzeitig sind die Einstellungsmöglichkeiten geringer“, erläutert Hesse.

Haben während des Teil-Lockdown wieder mehr Arbeitgeber Kurzarbeitergeld angezeigt?

„Wir registrierten im November 315 geprüfte Anzeigen für 2236 Beschäftigte. Damit hat die Nachfrage nach dieser Unterstützung zum Start des Lockdowns light wieder angezogen, was aber auch zu erwarten war“, sagt Hesse. Zum Vergleich: Im Oktober waren es lediglich 21 Anzeigen für 247 Beschäftigte gewesen. Im September 39 für 518 Mitarbeiter. Seit April haben nun insgesamt 6168 Betriebe für 81 840 Angestellte einen entsprechenden Antrag bei der Agentur gestellt.

Wie schätzt der Arbeitsmarktexperte die weitere Entwicklung ein?

Hesse warnt trotz der gesunkenen Arbeitslosenquote vor Optimismus. Denn die Arbeitslosigkeit sei im Vergleich zum Vorjahresmonat um 22 Prozent gestiegen, die Langzeitarbeitslosigkeit allein im Bereich der Arbeitslosenversicherung um 10 Prozent. „Damit setzt sich der Trend der letzten Monate fort und belegt eindrücklich, dass die Krise ihre Spuren hinterlässt, auch wenn das Kurzarbeitergeld bislang Schlimmeres abgefedert hat.“ Zudem erwartet Hesse, dass sich Folgen des kurzfristig beschlossenen Teil-Lockdowns erst im Dezember niederschlagen.

Von Nicole Schippers

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