AKGG-Pleite: Mitarbeiter bleiben optimistisch

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Kennen Sorgen und zeigen Optimismus: die „Buntstift“-Mitarbeiter Eva del Coz (von links), Martin Mertens und Cristiano Weinkauf.

Kassel. Ihr Lohn ist seit acht Jahren unverändert, Weihnachtsgeld hat es noch länger nicht gegeben: Die Mitarbeiter des gemeinnützigen Ausbildungsbetriebs „Buntstift“ wissen, dass ihre Firma kein Vermögen anhäuft.

Nun ist das Kasseler Unternehmen insolvent. Die Mitarbeiter machen sich Sorgen um die Zukunft, verspüren aber auch viel Optimismus.

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„Natürlich gibt es eine Verunsicherung“, sagt Eva del Coz. Sie leitet mit Cristiano Weinkauf den kaufmännischen Bereich der GmbH, die eine 100-prozentige Tochter des ebenfalls insolventen Arbeitskreises Gemeindenahe Gesundheitsversorgung (AKGG) ist. Statt den Mut zu verlieren, seien die 77 Mitarbeiter sehr motiviert. „Wir wollen Investoren zeigen, was wir können“, sagt del Coz.

Wenn Kooperationspartner und Geldgeber die Arbeit mit den Produktionsschülern und Auszubildenden loben, gebe das neuen Mut, sagt ihr Kollege Weinkauf. Insgesamt 500 junge Menschen erhalten Leistungen von „Buntstift“. Er spreche mit ihnen über die Lage, sagt Weinkauf, „aber wir malen den Teufel nicht an die Wand“. Man müsse ihnen Zuversicht geben, dass der Betrieb weiterhin da ist. „Viele haben in ihrem Leben schon genug Verunsicherung“, sagt auch del Coz.

Gehalt kaum verspätet

Laura Koch beendet im Mai ihre Ausbildung zur Bürokauffrau. Die 20-Jährige hat mit vielen Azubis gesprochen. Sorgen? Fehlanzeige. „Wir rocken den Laden weiter“, sagt Koch. Über die Insolvenz werde gesprochen, aber bisher laufe tatsächlich alles wie gehabt. Selbst das Novembergehalt sei nur drei Tage verspätet eingegangen. „Da wurde sehr professionell gearbeitet“, sagt del Coz. Insolvenzverwalter Dr. Franz-Ludwig Danko hat mit der Agentur für Arbeit eine Vorfinanzierung des dreimonatigen Insolvenzgeldes vereinbart. Bis Ende Januar sind die Gehälter sicher.

Auch Martin Mertens macht sich Gedanken. Er ist für die Mittelanwerbung zuständig. Die Arbeit für Einrichtungen wie „Buntstift“ sei schwieriger geworden. Bei Ausschreibungen müsse die Firma immer günstiger werden. Die gute Lage am Lehrstellenmarkt mache gemeinnützigen Ausbildungsbetrieben Probleme: Die Bereitschaft sinke, Jugendlichen mit Lernproblemen die Ausbildung zu finanzieren. „Manchmal frage ich mich, warum jemand Interesse an uns haben soll“, sagt Mertens.

Gespräche mit Investoren

Aber das Interesse ist da. Laut Insolvenzverwalter Danko wurden bereits Gespräche mit möglichen Investoren geführt. „Und die waren sehr positiv“, bestätigt Mertens.

Nur die Querelen um Reinhard M. nerven die Mitarbeiter. Der Ex-Geschäftsführer soll sich auf Kosten von „Buntstift“ und AKGG bereichert haben. „Die Vorwürfe müssen geklärt werden“, sagt del Coz. Aber im Moment lenke die Diskussion nur von dem ab, was wichtig sei: den weiteren Betrieb sicherzustellen.

Von Marcus Janz

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