Kunstwerk in der Neuen Galerie

Trotz Schutzmaßnahmen: Motten fressen wertvollen Beuys-Anzug

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Installation mit Anzug: Das Beuys-Kunstwerk in der Kasseler Neuen Galerie. 

Kassel. Ein zentrales Teil der Beuys-Installation „The pack“ (Das Rudel) in der Neuen Galerie ist in Quarantäne. Der berühmte Woll-Anzug von Joseph Beuys ist von Motten befallen. Das Kleidungsstück wird jetzt in einem speziellen Raum mit Stickstoff behandelt.

Obwohl in der Neuen Galerie weitreichende Vorsichtsmaßnahmen getroffen wurden, sind die Kleidermotten aufgetreten, sagt eine Sprecherin der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK). Um Schäden zu verhindern, wurde der Filzanzug, der seit Jahrzehnten in der Ausstellung hängt, abgehangen. Die Behandlung soll zum Absterben aller Lebensstadien der Motten führen. Im Anschluss wird das Kunstwerk noch einmal genau auf Schäden begutachtet werden. Vermutlich hätten die Insekten bereits wenige kleine Löcher in den Filz gefressen, heißt es. Diese würden aber, aufgrund der geringen Größe, von den Besuchern nicht zu sehen sein und gefährdeten den Anzug nicht. Beuys hatte von seinen Wollanzügen 100 Stück fertigen lassen, die in verschiedenen Installationen und einzeln ausgestellt werden. Die Kleidungsstücke haben einen unschätzbaren Wert.

Joseph Beuys

Der von Beuys (1922–1986) eingerichtete Raum befindet sich seit 1976 in der Neuen Galerie und gehört seitdem zum festen Bestand des Hauses. Die Installation umfasst das zentrale Hauptwerk „The pack“ (Das Rudel) und darüber hinaus vier Vitrinen, sieben plastische Bilder und 29 Zeichnungen aus den Jahren 1951 bis 1972. Diese Arbeiten bieten einen Einblick in das komplexe Werk des Künstlers. Beuys selbst hatte den Raum im Erdgeschoss zur Eröffnung der Neuen Galerie 1976 eingerichtet. 

In diesem Raum sind Ende letzten Jahres Kleidermotten aufgetreten. Mottenbefall komme leider immer wieder in Museen und überall dort vor, wo Textilien aus tierischen Fasern ausgestellt werden, so die MHK.

Daher gebe es einen regelmäßigen Einsatz von Pheromonfallen (natürliche Lockstoffe). Sobald sich Kleidermotten in den Fallen zeigen, werde die Quelle im Raum ermittelt und umgehend eingeschritten.

Im Beuys-Raum werden laut MHK bereits seit Jahren Mottenfallen aufgestellt. Sobald sich dort Anzeichen von Kleidermotten zeigen, werden (Zwergwespen über einen bestimmten Zeitraum eingesetzt, die die Motteneier fressen. Die geschlüpften Zwergwespen ernähren sich von den Motteneiern und vernichten somit eine Mottenpopulation, ohne die Filze zu schädigen.

Diese Zwergwespen sind für den Besucher unsichtbar und völlig unschädlich. Eine Zwergwespe ist so groß wie ein Bleistiftpunkt. So wird bereits ein geringer Befall vernichtet.

Solche biologischen Mittel werden häufig und gerne in Museen angewandt, um auf den Einsatz von Bioziden (chemische Mittel) zu verzichten.

Diese können an den Filzen Schäden hervorrufen und schädigen zudem Mensch und Umwelt. Zur Sicherheit werden die Fallen im Beuys-Raum im Museum aber auch nach der Rückkehr des Anzugs auf unbestimmte Zeit aufgestellt bleiben. 

Hintergrund: Das Kunstwerk "The pack"

Die Installation „The pack“ (Das Rudel) besteht aus einem VW-Bus Baujahr 1961. „Jeder Schlitten trägt eine Fett-Wachs-Ecke (Nahrung), eine gerollte Filzdecke (Wärme und Schutz), ein Baumwollband, eine Stablampe (Erkundung) und einen Abbindegurt (Sicherheit). Die Schlitten erobern und beleben den Raum. Offen bleibt nur, ob das Rudel ausschwärmt, um zu entdecken, oder ob es andere (aggressive) Absichten hat“, schreibt der langjährige HNA-Redakteur und documenta-Kenner Dirk Schwarze. Beuys hatte den VW-Bus im Februar 1969 in Berlin entdeckt, während seiner Aktion „Ich versuche Dich freizulassen (machen)“. Der Bus, der kurz zuvor die Sicherheitskontrolle durch den TÜV nicht bestanden hatte, gehörte dem Berliner Galeristen und Freund von Joseph Beuys, René Block, der damit unter anderem seine Bilder und Objekte transportierte und auch an der ersten Präsentation des Werkes mitwirkte. Block war später viele Jahre Leiter der Kunsthalle Fridericianum. 

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