Wegen des Wetters und der Fußball-WM

Trübe Bilanz im Open-Air-Kino: Drittschlechteste Zahlen in 21 Jahren

Oft blieben die Sitze im Dock 4 leer: Nur knapp 11 000 Besucher kamen diese Saison ins Open-Air-Kino. Foto: Fischer

Kassel. Am Ende dieses Sommers ist Burkhard Hofmann froh, dass das Kasseler Open-Air-Kino nur die drittschlechteste Saison seit dem Bestehen hingelegt hat. Knapp 11.000 Besucher haben in den vergangenen neun Wochen die Filmvorführungen im Hof des Dock 4 besucht.

Nur zweimal in den vergangenen 21 Jahren verzeichneten die Organisatoren vom Filmladen-Team eine noch schlechtere Bilanz mit weniger als 10.000 Zuschauern.

Und trotzdem hat Hofmann vom Filmladen mit noch Schlimmerem gerechnet: „Wir hatten einfach absolut ungünstige Bedingungen.“ Da war zum einen das nasskalte Wetter in den vergangenen drei Wochen. Für Freiluftveranstaltungen war der verregnete Sommer „ein totaler Flop“, sagt Hofmanns Kollege Frank Thöner.

Mehr über das Open-Air-Kino gibt es im Regiowiki.

Blöd war aber auch, dass der Sommer als Volltreffer begann. Die Fußball-WM, mit der sich das Open-Air-Kino Ende Juni und Anfang Juli überschnitt, kostete ebenfalls viele Besucher. Gegen die deutschen Helden von Brasilien stehen selbst die besten Filme im Abseits.

Zudem waren zu Beginn noch keine Ferien. „Wer am nächsten Morgen früh raus muss, geht spätabends nicht so gern ins Kino“, weiß Hofmann, der die Saison mit einem Minus abschließen wird. Wie viel Geld fehlt, ist derzeit noch nicht klar.

Dabei ist das Open-Air-Kino eigentlich auch dazu gedacht, das Sommerloch in den Programmkinos zu finanzieren. Für ein noch besseres Freiluftvergnügen haben die Veranstalter zudem 75 000 Euro in neue Digitaltechnik gesteckt. Mit der konnten auch digitalisierte Filmklassiker wieder im Hof des Dock 4 gezeigt werden. Jim Jarmuschs „Night on Earth“ kam besonders gut an.

Viermal waren alle 600 Plätze ausverkauft – etwa bei den Kassenschlagern „Fack ju Göhte“ und „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“. Auch die Previews von „Wir sind die Neuen“ sowie „Monsieur Claude und seine Töchter“ waren Renner. Besonders beeindruckt haben Hofmann jene Besucher, die selbst dann gekommen sind, als andere zuhause schon daran gedacht haben, den Kamin anzumachen: „Vor denen ziehe ich den Hut.“ Wenn es nächsten Juli wieder warm ist, können sie den anderen Besuchern Kinogeschichten aus einem Sommer erzählen, der fast ein Winter war.

Von Matthias Lohr

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