Truss: Insolvenzverwalter und Betriebsrat sehen Chance für eine Sanierung

Zahlungsunfähig: Der Sitz des über 150 Jahre alten Haustechnik-Unternehmens August Truss an der Ecke Franzgraben/ Schützenstraße im Stadtteil Wesertor. Foto:  Fischer

Kassel. Bei der traditionsreichen Kasseler Haustechnikfirma August Truss führt seit der vergangenen Woche ein Insolvenzverwalter die Geschäfte. Die Nachricht von der Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens kam für die meisten Beschäftigten völlig überraschend, sagte Gewerkschaftssekretär Wolfgang Otto von der IG Metall: „Damit hatte kaum einer gerechnet."

Zumal die Firma ihren Mitarbeitern bislang auch keine Lohn- und Gehaltszahlungen schuldig geblieben ist, wie Betriebsratsvorsitzender Horst Zahn auf Nachfrage der HNA sagte. Für die kommenden Monate werden die rund 100 Beschäftigten nun zunächst Insolvenzgeld beziehen. Der vorläufige Insolvenzverwalter Dr. Martin Moderegger ist nach eigenen Angaben dabei, mit Banken über eine Vorfinanzierung dieser Bezüge zu verhandeln.

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Kasseler Haustechnikfirma Truss ist zahlungsunfähig

Moderegger verschafft sich derzeit einen Überblick über die Finanzlage des Haustechnik-Unternehmens, er sprach von einer „Schieflage in Millionenhöhe“. Einer der nächsten Schritte wird nach seinen Angaben nun sein, die Gläubiger an einen Tisch zu bringen. „Erst danach werden wir etwas über Perspektiven sagen können“, sagte der Fachanwalt für Insolvenzrecht. Bei Truss handele es sich jedenfalls um „ein gut aufgestelltes, bekanntes Unternehmen mit erfahrenen Mitarbeitern“, was nicht die schlechteste Voraussetzung für Rettungsbemühungen sei.

Truss-Betriebsratsvorsitzender Horst Zahn

Betriebsratschef Zahn, seit 40 Jahren in der Firma, ist einigermaßen optimistisch, dass eine Sanierung gelingen kann. Truss stehe „nicht schlecht da“ und habe bundesweit Aufträge im Gesamtwert von mehreren Millionen Euro in Arbeit. Unter anderem in Nürnberg und Stuttgart ist die Kasseler Unternehmensgruppe derzeit an Großbaustellenprojekten beteiligt. Zahn sagte, er persönlich sei „guter Hoffnung, dass es weitergehen wird“. Die entscheidende Frage dabei sei allerdings, ob Kunden und Lieferanten mitziehen werden, statt abzuspringen. „Einige haben schon signalisiert, dass sie uns unterstützen werden“, sagte der Betriebsratsvorsitzende.

Auch in der Belegschaft sei zu spüren, dass die anfängliche Niedergeschlagenheit einem vorsichtigen Optimismus weiche, sagte Zahn: „So allmählich kehrt hier die Stimmung ein: Das werden wir schon packen.“ Wichtig sei es auch, dass die Mitarbeiter, zumeist solide qualifizierte Handwerksfachleute, jetzt bei der Stange blieben.

Über die Zukunft von drei Standorten der Haustechnikfirma Gebro in Ostwestfalen mit insgesamt 100 Mitarbeitern wird in einem gesonderten Insolvenzverfahren entschieden. Sie gehören seit 2011 zur Kasseler Truss-Gruppe, auch für diese Firmen wurde in der vergangenen Woche Insolvenzantrag gestellt.

Von Axel Schwarz

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