Sven Meißner-Salzmann rüstet Autos für behinderte Menschen aus - auch für seine Frau

Tüfteln für die Mobilität

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Technische Helfer: Sven Meißner-Salzmann hat in seinen Wagen einen schwenkbaren Beifahrersitz eingebaut. So kann er seine an multipler Sklerose erkrankte Frau Daniela leichter in das Auto heben.

Kassel. Die Krankheit kam in einem der schönsten Momente des Lebens: Als Sven Meißner-Salzmann und seine Frau Daniela auf Hochzeitsreise waren, meldete sich die multiple Sklerose zum ersten Mal.

Die heute 40-jährige Frau konnte bei einer Wanderung in den USA plötzlich ihre Beine nicht mehr richtig bewegen. Das ist 15 Jahre her. Heute ist Sven Meißner-Salzmann Experte für den behindertengerechten Umbau von Autos - und verhilft seiner Frau und vielen anderen zu einem Stück selbstbestimmten Lebens.

Der 45-jährige Melsunger arbeitet bei der Kasseler Firma Bosch Service Wagener Technik. Das Schicksal seiner Frau war für den gelernten Radiotechniker Anlass, sich mit dem Thema Auto-Umbau zu beschäftigen. Sein Arbeitgeber bietet als eines von wenigen Unternehmen in Deutschland Fahrzeugausrüstungen für behinderte Menschen an.

Meißner-Salzmann hat gelernt, wie wichtig Mobilität für jene ist, die sie zu verlieren drohen. Er erlebt, wie seine Frau nach jedem Schub der chronisch-entzündlichen Erkrankung des zentralen Nervensystems ein Stück ihrer Körperkontrolle verliert. Inzwischen ist sie auf einen Rollstuhl angewiesen, 2006 musste sie ihren Job aufgeben.

Dem Techniker hilft es, dass er mit seinem Wissen seiner Frau helfen kann. So hat er einen schwenkbaren Beifahrersitz in sein Auto eingebaut, mit dem er sie leichter hinein- und herausheben kann.

Dieser Umbau ist einfach. Meißner-Salzmann kann Fahrzeuge aber auch so umbauen, dass sie ohne Beine und nur mit einer Hand gesteuert werden können. So ein vollelektronisches Fahrzeug kostet 130 000 Euro. Mit ihm können auch Querschnittsgelähmte und Menschen mit Amputationen weiterhin Auto fahren.

So ein hochgerüstetes Mobil gehört der firmeneigenen Fahrschule. Mit diesem Auto lernen behinderte Menschen, statt mit Pedalen und einem herkömmlichen Lenkrad, mit einem Knauf und Handgas durch den Verkehr zu steuern.

Etwa 20 Autos hat Wagener Technik in diesem Jahr für behinderte Menschen umgerüstet. „Es ist zwar nur ein Standbein der Firma, aber das entwickelt sich immer besser“, sagt Geschäftsführer Andreas Günther. Auf dem Gebiet habe sich viel getan. „Vor zwei Jahrzehnten haben sich Betroffene noch selbst Hilfen gebastelt. Da wurde manchmal das Gaspedal mit einem Besenstiel bedient“, sagt Günther.

Sven Meißner-Salzmann und seine Frau Daniela fahren trotz ihrer Erkrankung noch in den Urlaub. „Es ist zwar alles umständlicher, aber wir geben nicht auf“, sagt der Techniker und schaut zu seiner Frau. Sie lächelt.

Von Bastian Ludwig

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