Türen im Knast waren offen

Techtelmechtel im Warteraum - JVA-Beamte müssen Abteilung wechseln

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Verbotenes Tête-à-Tête im Flügel D der JVA Kassel I.

Kassel. Vor gut einem Monat wurde ein Strafgefangener der Justizvollzugsanstalt (JVA) Kassel I in Wehlheiden dabei erwischt, wie er sich in einem Warteraum mit fünf Frauen aufhielt. Gerüchten zufolge soll er sich dort mit einer Frau vergnügt haben.

Die Insassinnen des Kaufunger Frauengefängnisses waren in die Kasseler Haftanstalt gekommen, weil sie zahnärztlich behandelt werden sollten.

Wie es zu dem verbotenen Treffen zwischen dem männlichen Inhaftierten und den Frauen kommen konnte, das hat das hessische Justizministerium in Zusammenarbeit mit der Gefängnisleitung nun recherchiert und will daraus auch Konsequenzen ziehen.

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Nach Angaben von Dr. Hans Liedel, Sprecher des Justizministeriums, macht der Mann derzeit seinen Hauptschulabschluss hinter Gittern. Von einem Mitarbeiter des Gefängnisses sollte er an dem Tag von der Schulung in seine Zelle gebracht werden. Der Mann sei von dem Mitarbeiter bis zu der Tür einer Station begleitet worden, sagt Liedel. Dort sei er aber nicht von einem anderen Beamten der JVA empfangen worden, es habe keine sogenannte „Hand-zu-Hand-Übergabe“ stattgefunden.

Häftling kehrte um

Der Häftling habe diese Chance genutzt und sei durch die unverschlossene Tür ohne Begleitung zurückgegangen. Von dort sei er zu dem Warteraum mit den fünf Frauen gelangt. „Die Tür dieses Raums war ebenfalls vorschriftswidrig unverschlossen“, bestätigt Liedel.

Dass der Inhaftierte und eine der Frauen in Briefkontakt stehen, sei wohl ein Zufall, sagt Liedel. Der Mann sei eine bis zwei Minuten mit den Frauen allein gewesen. Dass es Gerüchten zufolge zu körperlichem Kontakt kam, schließt Liedel aus. „Es gibt keinen Zeugen, der bestätigt, dass es Sex in dem Raum gab.“

Man werde aber aus dem Zwischenfall Konsequenzen ziehen. Um die „Achtsamkeit unter den Mitarbeitern der JVA zu erhöhen, soll eine personelle Rotation“ stattfinden. Das heißt: Vollzugsbeamte aus der U-Haft müssen nun in andere Abteilungen wechseln.

Der Ministeriumssprecher bestätigt zudem, dass es sich bei dem Häftling um einen rechtskräftig verurteilten Straftäter handelt. Warum war der Mann dann im Flügel des Untersuchungsgefängnisses untergebracht? Aus „Vollzugsablaufgründen“ sei diese Unterbringung kurzfristig notwendig gewesen, sagt Liedel. Dabei handele es sich aber um eine Ausnahme. Normalerweise seien verurteilte Straftäter und Untersuchungshäftlinge in Wehlheiden getrennt untergebracht, wie es das Gesetz verlange. Das Gesetz lasse aber auch Ausnahmen zu.

Warum der Mann eine Haftstrafe verbüße, darüber dürfe er sich aus „datenschutzrechtlichen Gründen“ nicht äußern, erklärt der Ministeriumssprecher.

Nach Informationen der HNA soll es sich bei dem Häftling um einen verurteilten Mörder handeln, der aufgrund einer angeordneten Sicherungsverwahrung mindestens bis zum Jahr 2036 hinter Gitter bleiben muss.

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