Er zelebriert die Worte - Sprachpreis für Ulrich Tukur

Kassel. Er hat „glänzende Texte in deutscher Sprache vorgetragen, geschrieben und gesungen“, sagte als Juryvorsitzender der Bamberger Germanistikprofessor Helmut Glück. Deshalb bekam Schauspieler Ulrich Tukur am Samstag in der Kasseler Stadthalle den Jacob-Grimm-Preis deutsche Sprache.

Die mit 30.000 Euro dotierte Auszeichnung ist Teil des Kulturpreises deutsche Sprache, der seit 2001 von der Eberhard-Schöck-Stiftung und dem Verein Deutsche Sprache in Kassel vergeben wird. Damit werden Verdienste um die deutsche Sprache gewürdigt.

Der 56-jährige Schauspieler, Musiker und Autor Ulrich Tukur hat in Filmen wie „Das weiße Band“ und „Das Leben der anderen“ mitgespielt, ist „Tatort“-Kommissar für den Hessischen Rundfunk und hat vor wenigen Tagen seine erste Novelle veröffentlicht.

Er bedankte sich mit einer witzig-selbstironischen Rede, in der er seine vermeintlich phänomenalen Sprachfähigkeiten schon zu Kinderzeiten beschrieb: „Schon nach meiner Geburt soll ich gesagt haben, ,Wohlan Frau Mutter, sei gegrüßt, wo ist die Bibliothek?’, und mit acht Jahren stahl ich im Antiquariat die Gesamtausgabe Klopstocks.“ In erster Linie sei er Schauspieler, und „stolzer Inhaber eines S-Fehlers, der nach zwei Gläsern Rotwein besonders deutlich wird“. Eine derartige Ehrung hätte er nie erwartet.

In ihrer Laudatio hob die schleswig-holsteinische Wissenschaftsministerin Waltraud Wende hervor, wie Tukur die Lust an Sprache zelebriert, Sprache „in jedem Aggregatzustand“ vorführt und es als Schauspieler stets vermeidet, seine Charaktere allzu eindeutig gut oder böse zu zeichnen. Ihr Fazit: „Tukur traue ich zu, Grimms Wörterbuch vorzutragen, als wäre es eine Liebesgeschichte, ein Krimi oder ein Beitrag aus den Tagesthemen.“

Mit seiner Band Rhythmus Boys bedankte sich Tukur auch musikalisch und brachte die 600 Besucher in der Stadthalle zum Mitklatschen.

Den undotierten Institutionenpreis deutsche Sprache erhielt das Europäische Übersetzer-Kollegium Nordrhein-Westfalen. Der Verein ermöglicht es seit 1978 literarischen Übersetzern, einige Wochen in Straelen am Niederrhein zu leben, eine Bibliothek zu benutzen und an ihren Projekten zu arbeiten. Pro Jahr entstehen dort 750 Übersetzungen aus dem und in das Deutsche, berichtete Laudator Jochen Pleines von der Bochumer Uni. Das Kollegium habe „erheblich zur Qualität literarischer Übersetzungen beigetragen“, so die Jurybegründung.

Als Präsident des Kollegiums bedankte sich Claus Sprick für die Ehrung und betonte: „Nirgendwo sonst wird so viel daran gearbeitet, die deutsche Sprache weiterzuentwickeln.“

Der Initiativpreis deutsche Sprache, der an den Förderverein Buchdorf Mühlbeck-Friedersdorf hätte gehen sollen, wurde nicht vergeben. Jury-Vorsitzender Glück erklärte, der Vereinsvorstand sei nicht handlungsfähig, deshalb habe man die Verleihung ausgesetzt.

Tukur über

... seine Lektüreerfahrungen als Kind: „Ich bin mit Gedichten und Märchen großgeworden. Die Bände standen bei meinen Eltern und Großeltern im Regal. Ich habe mich durchgelesen.“

... Gedichte: „Das sind Edelsteine, die man in die Tasche stecken kann.“

... sein eigenes literarisches Schaffen: „Da beschäftige ich mich mit Sprache noch ganz anders. Das ist Kreation, nicht Reproduktion.“

... seinen Umgang mit Sprache bei Drehs für Film und Fernsehen: „Ich bemühe mich, die deutsche Sprache anständig zu sprechen. Bei großen Regisseuren wie Michael Haneke braucht man natürlich am Drehbuch nichts zu tun, aber bei vielen Fernsehdrehbüchern muss ich schon einiges ändern. Da stecken so viele Redundanzen drin. Ähs und Öhs führen nicht zu mehr Realismus.“

... seine Beziehung zu den Brüdern Grimm: „Ich habe in Hanau Tanzunterricht absolviert.“

Hintergrund

Der Kulturpreis deutsche Sprache besteht aus drei Teilpreisen. Frühere Preisträger des mit 30 000 Euro dotierten Jacob-Grimm-Preises waren unter anderem: Udo Lindenberg, Cornelia Funke, Frank Schirrmacher, Günther de

Bruyn, Paul Kirchhof und Vicco von Bülow / Loriot. Ferner gibt es den Initiativ- und den Institutionenpreis. Vergeben wird die Auszeichnung seit 2001 von der Eberhard-Schöck-Stiftung und vom Verein Deutsche Sprache.

Bilder der Preisverleihung

Verleihung Kulturpreis Deutsche Sprache

Von Bettina Fraschke

Rubriklistenbild: © Malmus

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