Gymnasien entscheiden sich gegen Wahlmöglichkeit

Für viele Kasseler Schüler bleibt nur das Turbo-Abi

Kassel. Viele Kasseler Schüler werden weiterhin das Turbo-Abi nach zwölf Schuljahren (G8) machen müssen. Für sie wird es wohl keine Rückkehr zu 13 Jahren Schule (G 9) geben. Denn:

Die Kasseler Gymnasien werden von der vom Kultusministerium angekündigten Rückkehrmöglichkeit keinen Gebrauch machen. Der Grund: Eine Rückkehr sei aus praktischen Erwägungen nicht möglich. Betroffen sind die Jahrgänge 5, 6 und 7.

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Die von Wiesbaden propagierte Rückkehrmöglichkeit sei eine Farce, sagte der Leiter des Goethegymnasiums, Ludger Becklas. Er ist sich mit dem Friedrichsgymnasium einig. Auch dort sagt man Nein zu der Wahlmöglichkeit.

Die Albert-Schweitzer-Schule (ASS) lässt lediglich die Eltern des laufenden Jahrgangs 5 über G 8 oder G 9 abstimmen.

An allen drei Gymnasien startet dann der kommende Jahrgang 5 regulär mit G 9, also dem Abitur nach 13 Schuljahren. „Schulen brauchen Ruhe, um ordentlich arbeiten zu können“, sagt FG-Leiter Dr. Lothar Schöppner zur Begründung für die Entscheidung, die die Gesamtkonferenz seiner Schule getroffen hat.

Von Ruhe konnte in den vergangenen Jahren keine Rede sein: Mit dem Schuljahr 2005/06 wurde das verkürzte Abitur G 8 eingeführt. 2012/13 ging es nach anhaltenden Elternprotesten zurück zu G 9. Ein Jahr später räumte Wiesbaden für die laufenden Jahrgänge 5 und 6 die Wahlmöglichkeit ein, ebenfalls zu G 9 zurückzukehren. Monate später wurde dies auf Jahrgang 7 ausgeweitet.

Bei der vermeintlichen Wahl gibt es einen Haken: Wenn bei der anonymen Wahl durch das Kultusministerium auch nur einer gegen G 9 stimmt, werden alle Schüler weiter im Schnelldurchgang zum Abi geführt. „Die Politiker verbreiten etwas, was so gar nicht möglich ist“, sagt Schulleiter Becklas zur Ankündigung der Landesregierung.

Von Christina Hein

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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