Leistungssport in Kasseler Hallen nicht möglich - Weite Wege zum Training für junge Talente

Turngeräte von anno dazumal

Gutes Training, alte Geräte: Die talentierten Achtklässler Glenn und Lewis Trebing (auf dem Barren, von links) und Florian Eckhardt müssen in Kassel auf veralteten, nicht wettkampftauglichen Turngeräten trainieren. Lehrer-Trainer Hans Matzner (hinten) setzt sich dafür ein, dass eine professionelle Ausstattung in einer Kasseler Sporthalle vorgehalten wird. Der nächste zeitgemäß ausgestattete Trainingsstützpunkt liegt auf dem Sensenstein. Foto: Fischer

Kassel. Junge Turntalente müssen in Kassel auf teilweise jahrzehntealten Geräten üben. Es gebe derzeit keine einzige Sporthalle in Kassel, in der man Geräteturnen auf Leistungssportniveau machen könne, sagt Hans-Rüdiger Matzner, Lehrer-Trainer am Goethegymnasium. Er unterrichtet an dem Sportgymnasium besonders talentierte Turner.

„Wenn man vernünftig turnen will, braucht man wettkampftaugliche Geräte“, sagt Matzner. Weil diese nicht vorhanden seien, sei es bereits seit Jahren auch nicht mehr möglich, Wettkämpfe mit den olympischen Geräten im Geräteturnen in Kassel auszurichten. Weil die veralteten Geräte - etwa Barren oder Ringe - beispielsweise andere Schwungeigenschaften hätten, könnten die Schüler sich daran nicht optimal vorbereiten.

Lange Wege eine Belastung

Die nächste Trainingsmöglichkeit gibt es im zwölf Kilometer entfernten Turnleistungszentrum auf dem Sensenstein. Die langen Wege sind für die jungen Sportler - und ihre Eltern, die sie fahren müssen - eine Belastung. „Oft scheitert die Förderung von Talenten schlicht an der Fahrerei“, sagt Anja Damm, Leiterin der Turnabteilung der TSG Niederzwehren. Die Kinder blieben dann beim Breitensport. Auch Damm bestätigt das Problem der mangelhaft ausgestatteten städtischen Turnhallen.

In Kassel gibt es 33 Schulturnhallen und 12 allgemeine Sporthallen, für die das städtische Schulverwaltungsamt beziehungsweise das Sportamt zuständig sind. Eine Verpflichtung, diese mit Geräten auf Profi-Niveau der einzelnen Sportarten auszustatten, gebe es nicht. Die Schulturnhallen bekämen anfangs eine Grundausstattung, danach obliege es den Schulen, weitere Geräte anzuschaffen oder defekte auszutauschen, erklärt Bernd Heger vom städtischen Schulverwaltungsamt.

Über die Ausgaben für neue Geräte oder Reparaturen entschieden die Schulen selbstständig und finanzierten diese über das Schulbudget. Darin seien rein rechnerisch etwa 1500 Euro pro Jahr für Sportausgaben vorgesehen. Größere Ausgaben könnten auch über den städtischen Haushalt angemeldet werden. Für Geräteersatz in den zwölf Sporthallen lag das Budget des Sportamts im vorigen Jahr bei 22 000 Euro. Zur Relation: Eine professionelle Turnausstattung kostet bis zu 100 000 Euro.

In allen Sporthallen sämtliche Geräte für alle Sportarten vorzuhalten, sei auch rein lagertechnisch nicht möglich, sagt Sportamtsleiterin Andrea Fröhlich. Derzeit sei man aber auf der Suche nach einer Lösung, um zumindest eine Halle in Kassel mit Leistungsturngeräten auszustatten. Im Gespräch ist die Emil-Junghenn-Halle an der Ysenburgstraße – unweit des Goethe-Gymnasiums, an dem viele Sporttalente unterrichtet werden.

Die Geräte finanziert allerdings nicht die Stadt. Sie werden vom Hessischen Turnverband über den Turngau Nordhessen zur Verfügung gestellt und haben laut Matzner einen Wert von über 40 000 Euro.

Von Katja Rudolph

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