Ringvorlesung zu populären Serien

Wie TV-Helden unsere Werte beeinflussen

Diesem Tatort werden sich die Wissenschaftler unter anderem widmen: Die jüngste Produktion des Hessischen Rundfunks mit Ulrich Tukur „Im Schmerz geboren“.

Kassel. Fernsehserien bilden nicht nur gesellschaftliche Verhältnisse ab, sondern prägen diese auch. So hat das Treiben der TV-Helden Einfluss auf die Werte und Einstellungen der Zuschauer.

In der heute beginnenden Vortrags- und Diskussionsreihe „Gender und Genre“ nimmt das Institut für Germanistik der Uni Kassel populäre Fernsehserien und -reihen genauer unter die Lupe. Vor allem ihr kultureller Gehalt und die in den Formaten vorgeführten Geschlechterbilder werden beleuchtet und mit den Besuchern diskutiert.

Viele moderne TV-Serien würden zwar klassische Rollenbilder bedienen, mit diesen aber immer wieder auch brechen, sagt Nachwuchsliteraturwissenschaftler Paul Reszke, der mit Urania Milevski und Felix Woitkowski die Ringvorlesung konzipiert hat.

Als Beispiel nennt Reszke die US-amerikanische Serie „The Sopranos“, in der Mafiosi den starken Macho-Typen verkörperten, aber gleichzeitig auch psychologische Hilfe in Anspruch nehmen. Ein anderes Beispiel liefert Milevski: In der US-Serie „Sons of Anarchy“ etwa gehe es vordergründig um eine von Männern dominierte Motorrad-Gang, aber eigentlich stehe eine starke Frau an der Spitze.

Die Vorträge

Die Vorträge finden immer mittwochs, 20 bis 22 Uhr, im Hörsaal 400, Mönchebergstraße 7, statt.

Hier die ersten Vorträge:

• 5.11.: Stefan Neuhaus beschäftigt sich mit Kenneth Branaghs „Wallander“-Verfilmung von „Mittsommermord“.

• 12.11.: Urania Milevski: „Sons of Anarchy“.

•19.11.: Felix Woitkowski: „Jekyll“

• 26.11.: Paul Reszke: „The Sopranos“

• 3.12.: Veronika Schuchter: „The L-Word“ und „Queer as Folk“

• 10.12.: Sophie Ziegler: „Sailor Moon“

• 14.1.: Martin Böhnert: Genderkonstruktionen in Science-Fiction-Anime

• 21.1.: Ruth Knepel: „Game of Thrones“

• 28.1.: Murat Sezi, Hanna-Luna Braunewell: „Mad Men“

• 4.2.: Stefan Greif: HR-Tatort „Im Schmerz geboren“

Mehr Infos zu den Vorlesungen finden Sie hier.

Natürlich stehe die Unterhaltungsfunktion bei solchen Serien im Mittelpunkt, aber sie hätten auch eine gesellschaftspolitische Wirkung, erläutert Woitkowski. Im Feuilleton und in der Wissenschaft werde die Wirkung von TV-Serien zum Teil mit jener von Gesellschaftsromanen etwa von Thomas Mann verglichen.

Welche Werte vermittelt werden, sei aber stark von der Person abhängig, die vor dem Fernseher sitze. „Die Bewertung des Gezeigten wird dem Zuschauer überlassen“, sagt Woitkowski. Anders als die Serien der 80er- und 90er-Jahre („Baywatch“, „A-Team“) würden in den modernen Fernsehproduktionen wesentlich ausdifferenzierte Charaktere präsentiert.

Ein interessantes Beispiel sei auch die japanische Manga-Reihe „Sailor Moon“, sagt Reszke. Deren Zeichnerin stärke mit ihren Comics das Selbstbild japanischer Schülerinnen – denen in der Gesellschaft traditionell eine eher passive Rolle zugewiesen war. „In der Serie sind es junge Frauen, die als Kämpferinnen auftreten“, sagt Reszke. Die männliche Hauptrolle falle eher durch Untätigkeit auf.

Spiel mit Stereotypen

Urania Milevski glaubt, dass das Spiel mit den Rollenbildern auch ein Erfolgskriterium ist: „Eine Serie, in der die Frauen die Schwachen, Männer die Starken und alle damit glücklich sind, reizt kaum noch einen Zuschauer. Wenn die Geschlechterbilder unterlaufen werden, wird es spannend.“

Um den Erfolg einer Serie nicht zu gefährden, würden Produzenten in ihren Formaten aber dennoch meist vor allem auf heterosexuelle Beziehungen setzen.

Von Bastian Ludwig

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