Gesetz soll Arbeitnehmern die Versorgung Angehöriger erleichtern

Zuhause pflegen: Gesetz soll Arbeitnehmern die Versorgung ihrer Angehöriger erleichtern

Kassel. Mit dieser Frage sollte sich jeder beschäftigen: Wie und wo lebe ich im Alter? In Kassel sind schon jetzt 7300 Menschen pflegebedürftig, im Landkreis sind es 8900 - Tendenz steigend.

Lesen Sie auch

Flexibel für den Pflegenden

Nach einer Erhebung der Techniker-Krankenkasse werden davon 74 Prozent in der Regel von Angehörigen in den eigenen vier Wänden gepflegt, mehr als die Hälfte ohne Hilfe eines ambulanten Pflegedienstes. „Das Gros dieser Pflegenden ist nicht berufstätig“, sagt Angelika Trilling vom Altenreferat der Stadt Kassel: Es sind Rentner, Arbeitslose, Hausfrauen. Die Zahl der Menschen, die sich für die Pflege von Angehörigen eine berufliche Auszeit nehmen oder Teilzeit arbeiten, ist gering.

Das soll sich ändern. Familienpflegezeit heißt das Projekt, das Bundesfamilienministerin Kristina Schröder gesetzlich verankern möchte. Danach sollen Arbeitnehmer, die einen Angehörigen pflegen, bis zu zwei Jahre lang ihre Arbeitszeit auf 50 Prozent reduzieren, während sie weiterhin 75 Prozent des Gehalts bekommen. Die Lohndifferenz sollen die Arbeitnehmer ausgleichen, indem sie vor oder nach der Pflegezeit voll arbeiten, aber nur 75 Prozent Gehalt beziehen. Mitte 2011 soll es für die Familienpflegezeit einen Rechtsanspruch geben. Während Politik und Verbände noch über die Ausgestaltung des Gesetzes streiten, stehen viele Unternehmen in der Region der Familienpflegezeit aufgeschlossen gegenüber oder praktizieren sie bereits, etwa das Medizintechnik-Unternehmen B. Braun in Melsungen.

„Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ein wichtiges Thema“, sagt Thomas Rudolff, Sprecher der Kasseler Industrie- und Handelskammer. Es sei wichtig, qualifiziertes Personal an den Betrieb zu binden. Die IHK plant eine Befragung ihrer 10 000 im Handelsregister verzeichneten Mitgliedsbetriebe zum Thema Familienpflegezeit, um bald ein gesichertes Stimmungsbild zu bekommen.

Von Christina Hein

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.