Umweltfest wurde von Jahr zu Jahr größer

Über 300 Standbewerber: Tag der Erde stößt an Grenzen

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Veranstaltung wurde in über 25 Jahren immer größer: Zum Tag der Erde im Vorjahr auf der Friedrich-Ebert-Straße waren mehr als 30 000 Besucher gekommen. Mit rund 220 Standbetreibern war auch die Zahl der Anbieter auf einem Höchststand. Foto:  Schachtschneider

Kassel. Mit 130 Standbetreibern statt wie im Vorjahr über 200 wird das Kasseler Umweltfest „Tag der Erde“ am 23. April in Wolfsanger deutlich kleiner ausfallen. Angesichts etlicher Beschwerden von Gruppen, die nicht zum Zuge kommen, haben die Veranstalter um Verständnis geworben.

„Ich kann den Unmut nachvollziehen, aber das ist auch für uns keine leichte Entscheidung“, sagte Hubert Grundler vom Verein Umwelthaus gegenüber der HNA.

Ganz unabhängig von der Debatte um Fleischimbiss-Anbieter, die erstmals nicht teilnehmen dürfen, wird den Veranstaltern Intransparenz bei der Teilnehmerauswahl vorgeworfen. So ärgert sich etwa der Verein „Zeitbörse Kassel“, dass er nach fast 20 Jahren ausgeladen worden sei, obwohl er von Anfang an vegetarische Speisen angeboten habe. Vorstandsmitglied Klaus Reichenbach mutmaßt, es gehe den Organisatoren offenbar „nicht um gesunde Ernährung, sondern um Geld“ – nämlich durch eine Anbieter-Auswahl, die höhere Standgebühren einbringe.

Hubert Grundler

Die Kulturinitiative Harleshausen beklagt sich ebenfalls über Intransparenz und ist empört, dass die Veranstalter nicht zu einem persönlichen Gespräch zwecks Revidierung ihrer Entscheidung bereit seien. Hubert Grundler vom Umwelthaus sieht darin einen „Anspruch, der nicht zu akzeptieren ist“ und verweist auf diverse Telefonate, die mit der Initiative geführt worden seien.

Nach Grundlers Worten hat das Umwelt- und Kulturfest nicht nur aktuell ein Platzproblem im Ortskern von Wolfsanger: „Es gibt seit Jahren die Kritik, dass der Tag der Erde viel zu groß und viel zu kommerziell geworden sei.“

Zugleich würden immer mehr Gruppen Interesse anmelden, sich beim Tag der Erde zu präsentieren und diesen als Plattform zu nutzen. Grundler nannte beispielhaft allerlei Schulklassen und Elterngruppen, die sich in irgendeiner Weise mit den Themen Umwelt und Nachhaltigkeit befassen. All diese Teilnahmewünsche zu berücksichtigen, sei einfach nicht machbar: „Wir haben für dieses Jahr über 300 Anfragen.“

Die Organisatoren seien in einer schwierigen Situation und seien bestrebt, das Umweltfest mit „etwas weniger Kommerz“ zu planen, andererseits aber auch „eine gewisse Mischung“ zu präsentieren, so Grundler: „Es soll ja auch keine reine Lehrveranstaltung zu Umweltthemen sein.“

Bei der Konzeption einer solchen Veranstaltung und bei der Teilnehmerauswahl sei es nicht vermeidbar, „dass das letztlich eine Willensentscheidung einzelner Personen ist“, sagte Grundler: „Absolute Kriterien kann es da nicht geben.“ Die Gruppen, die sich für eine Teilnahme interessieren, sähen hingegen jeweils „nur ihre eigene Perspektive“. Das könne er zwar nachvollziehen, mache die Sache aber nicht einfacher.

Der Tag der Erde wird seit 1990 in Kassel begangen – jedes Jahr in einem anderen Stadtteil – und gilt als größte Veranstaltung dieser Art in Deutschland.

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