Ehemaliges Mitglied der Kameradschaft „Sturm 18“ soll 18 Monate ins Gefängnis

Über 50 Straftaten: Haftstrafe für Neonazi bestätigt

Kassel. Kein Pardon gibt es für einen 25-jährigen Kasseler, der weit über 50 Straftaten auf dem Konto hat.

Die 7. Strafkammer des Landgerichtes Kassel unter Vorsitz von Richter Reichhardt verwarf gestern die Berufung des ehemaligen Mitglieds der rechtsextremen Kameradschaft „Sturm 18“ und verurteilte den Mann zu 18 Monaten Haft ohne Bewährung.

Das Gericht blieb damit sechs Monate unter dem Strafmaß des Amtsgerichtes vom Dezember 2014 und honorierte so die Bemühungen des jungen Mannes, sein straffälliges Leben hinter sich zu lassen. Die Vielzahl von Straftaten von gefährlicher Körperverletzung, Widerstand gegen Polizisten, Morddrohungen, Ankündigung eines Amok-Laufs, Beleidigung, Sachbeschädigung, Diebstahls und des mehrfachen Verwenden des Hitler-Grußes könnten aber nicht ungesühnt bleiben. Zudem hatte der Angeklagte etwa 40 Mal gegen das Annäherungsverbot zu seiner Ex-Freundin verstoßen.

Vor dem Urteil hatte Staatsanwalt Dr. Enrico Weigelt in einem besonders engagiert vorgetragenem Plädoyer eine Bewährungsstrafe angesichts des ausufernden Vorstrafenregisters als „unvorstellbar“ bezeichnet. „Ich kann mit bestem Hoffen keine günstige Sozialprognose stellen“, sagte der Ankläger und verwies auf neue Straftaten in diesem Jahr. Obwohl sich der 25-Jährige inzwischen mehrfach vom „Sturm 18“ lossagte, habe es auch in diesem Jahr wieder Vorfälle mit „Heil Hitler“-Rufen und dem Hitler-Gruß gegeben. Bereits Mitte 2014 hatte ihn das Amtsgericht Melsungen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, was aber offenbar keine Wirkung gezeigt habe, meinte Weigelt.

Die Verteidigerin hatte dafür plädiert, die zweijährige Haftstrafe des Amtsgerichts in eine kürzere Bewährungsstrafe umzuwandeln. Das Verhalten ihres Mandanten sei „wirklich unschön“ gewesen. Gleichwohl werde er jetzt wohl endlich erwachsen und habe den Absprung von Alkohol und schlechtem Umgang geschafft.

Tatsächlich zeigte sich der hünenhafte Angeklagte optisch verändert: Ein sorgfältig gestutzter Vollbart, Stoppelhaar-Frisur und eine Trainingsjacke mit dem Emblem des FC Bayern München signalisierten neue Bürgerlichkeit, die durch schwere Eisenketten um Hals und Handgelenk etwas abgeschwächt wurde. Statt zwei Flaschen Wodka trinke er heute nur noch „drei bis vier Bierchen“ am Tag, arbeite zwei Stunden in der Woche als Hausmeister und nehme an einem Bewerbungstraining teil. Freundin und Mutter gäben ihm Halt, auch denke er wieder an Sport. Angeblich hat der Mann - er ist ohne Schulabschluss und Ausbildung - für die Baunataler Oberliga-Fußballer mal im Tor gestanden und war Hessenmeister im Boxen.

Dass er sich bessern wolle hatte er auch schon in früheren Prozessen behauptet. Genutzt hat es offenbar nicht viel. Sollte das Urteil jetzt rechtskräftig werden, heißt es für den jungen Mann zum ersten Mal: Ab in den Knast.

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Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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