Zeit bis Transplantation überbrücken

Was Sie über den Einsatz von Kunstherzen wissen sollten

"Ich leide unter Herzschwäche und habe jetzt gelesen, dass als Alternative für eine Herztransplantation die Möglichkeit besteht, ein künstliches Herz einzusetzen. Wann ist das sinnvoll und für wen ist es geeignet?“, fragt ein Leser. Diese und weitere Fragen beantwortet Kardiologe Dr. Andreas Utech vom Ambulanten Herzzentrum Kassel.

Für Patienten mit langjähriger, ausgeprägter Herzschwäche bleibt laut Utech als letzte Möglichkeit oft nur eine Herztransplantation. Da die Wartezeiten auf ein neues Organ lang seien und die Zahl der Spenderherzen rar, bleibe in manchen Fällen, bei Patienten im Endstadium der Herzschwäche, als Alternative das „künstliche Herz“.

Utech: „Bei diesen Patienten kann das Herz nicht mehr die nötige Leistung erbringen, um die Körperorgane ausreichend mit Sauerstoff zu versorgen.“ Es treten Beschwerden wie Leistungsschwäche, Atemnot und Wassereinlagerungen auf. Eine Therapie mit Medikamenten ist Utech zufolge nicht mehr ausreichend oder mit Nebenwirkungen behaftet. „Der Goldstandard in dieser Situation ist die Herztransplantation“, sagt der Herzspezialist.

Steigerung der Herzfunktion

Andreas Utech

Falls eine Transplantation nicht möglich sei, bestehe als chirurgische Alternative die Möglichkeit, ein Herzunterstützungssystem, ein sogenanntes Kunstherz, einzusetzen. Dabei handelt es sich laut Utech um Blutpumpen, die mechanisch die Herzfunktion steigern. Die Pumpen werden direkt ins Herz eingesetzt. Utech: „Da die Pumpen einen kontinuierlichen Blutfluss erzeugen, haben die Patienten keinen tastbaren Puls mehr.“ Kunstherzen dienten einerseits zur Überbrückung der Wartezeiten auf ein Spenderherz, in einigen Fällen ermöglichten sie aber auch eine endgültige Versorgung herzschwacher Patienten.

„In einigen Fällen erholt sich der Herzmuskel durch die pumpenbedingte Entlastung sogar und das Kunstherz kann wieder entfernt werden“, sagt der Kardiologe.

Die Implantation eines Kunstherzens dauert laut Utech etwa zwei Stunden und wird in Vollnarkose vorgenommen. Allerdings gebe es Bestrebungen, eine verfeinerte, minimalinvasive Operationstechnik zu entwickeln.

Die Batterien, die das Kunstherz mit Strom versorgen, werden durch ein Stromkabel mit der Pumpe verbunden. Sie werden vom Patienten in einer speziellen Tasche getragen und halten etwa fünf bis acht Stunden. Utech: „Die Bedienung des Kunstherzens ist mit einer entsprechenden Schulung leicht zu erlernen.“ Mit dem Herzunterstützungssystem könnten sportliche Aktivitäten unternommen werden. Auch gegen eine sexuelle Betätigung spreche nichts. „Die Patienten müssen allerdings unbedingt Blutgerinnungshemmer einnehmen“, betont er. Spezielle Stromadapter gebe es für zu Hause und für Reisen ins Ausland.

Für eine erfolgreiche Kunstherztherapie seien eine sorgfältige Patientenauswahl und Schulung sowie ein spezialisiertes, interdisziplinäres Team aus Kardiologen und Kardiochirurgen besonders wichtig. (pmk)

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Rubriklistenbild: © dpa

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