Auch Korrektur fehlerhaft

Arbeitsvermittler erstellt fragwürdige Bewerbungsunterlagen

Erste Fassung: Dieses Bewerbungsanschreiben bekam Ursula Müller zunächst erstellt. Auch im Lebenslauf sind zwölf Fehler.

Kassel. Als Ursula Müller (Name geändert) Mitte Juni in das Büro der Arbeitsvermittlung Treffpunkt (AvT) ging, suchte sie Hilfe. Die Kasselerin arbeitet als Verkäuferin auf 400-Euro-Basis und wollte mit Anfang 50 noch einmal die Suche nach einer Vollzeit-Stelle starten.

Als sie das Büro an der Fünffensterstraße verließ, war sie um 25 Euro ärmer und hatte dafür eine Bewerbung mit Lebenslauf und integriertem Passbild in der Tasche (wer nur die Bewerbung will, zahlt 15 Euro). Erst zu Hause fiel ihrem Sohn auf: Der Text strotzt vor Fehlern.

Als der Sohn mit den erstellten Unterlagen zum Büro der AvT marschierte, um die Leistung zu reklamieren, wurde eine der Mitarbeiterinnen erfinderisch: „Vier Fehler hat sie zugegeben. Die restlichen stritt sie ab. Nach neuer Rechtschreibung und DIN-Normen sei alles korrekt.“ Nach einer verbalen Auseinandersetzung einigte man sich darauf, dass die Texte korrigiert werden.

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Als Ursula Müller am Freitag ihre angeblich überarbeiteten Unterlagen abholte, staunte sie. Zwar waren einige Fehler beseitigt, aber noch immer fanden sich fast 20 Fehler in Anschreiben und Lebenslauf. Besonders zynisch wirkt auf sie der letzte Satz in der erstellten Bewerbung: „Ich freue mich, wenn Ihnen der erste Eindruck zu meiner Person gefallen hat [...]“ Nach einer solchen Bewerbung, da ist sich Müller sicher, hätte sich kein Arbeitgeber interessiert gezeigt.

Zweite Fassung: Nach einer Beschwerde erstellte AvT diese Version, in der immer noch viele Fehler stecken - auch im Lebenslauf.

Auf HNA-Anfrage rechtfertigt sich AvT-Geschäftsführerin Jasminka Bonic: „Für 25 Euro können wir uns nicht lange mit Korrekturwünschen beschäftigen.“ Sie wisse nicht, welcher Mitarbeiter die Texte erstellt habe. „Ich kann keine hundertprozentige Garantie für meine Mitarbeiter geben.“ Zudem wundert sie sich über die Fehler. „Wir nutzen ein Korrekturprogramm.“ Sie wolle nun mit ihrem Anwalt klären, ob Korrekturen gerechtfertigt seien oder ob es eine Schikane der Kundin sei.

Müller ist froh, dass sie von AvT keine weiteren Leistungen in Anspruch genommen hat. Weil sie einen Job hat, erhält sie keinen Vermittlungsgutschein von der Agentur für Arbeit. „Ich müsste bei einer Vermittlung sofort 1000 Euro aus privater Tasche an die AvT bezahlen.“

Von Bastian Ludwig

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