26-Jähriger hat nach Überzeugung des Gerichts gezündelt, um Versicherung abzukassieren

Über fünf Jahre Haft für Brandstiftung

Kassel. Fünf Jahre und drei Monate muss ein 26-Jähriger hinter Gitter, den die 3. Kammer des Landgerichts als Verursacher eines Brandes im Februar 2012 an der Gartenstraße ansieht. Um die 23.000 Euro betrug der Schaden.

Viel schwerer wog, dass sich in dem Haus 71 Apartments befanden, sodass von dem Brand ein „riesiges Gefährdungspotenzial“ für die Bewohner ausging, wie es gestern in der Urteilsbegründung hieß. Nach der Überzeugung des Gerichts hat der Elektronikergeselle den Brand gelegt, um seine Versicherung abzukassieren. Erst kurz vor dem Brand hatte er eine Hausratversicherung abgeschlossen. Die Versicherung hatte sich dann allerdings geweigert, den Schaden zu begleichen.

Laut Anklage hat ein Teelicht ein Sofa in Brand gesetzt, daneben waren ein Kleiderschrank und ein Umzugskarton in Flammen aufgegangen. Laut Angeklagtem soll ein Einbrecher gezündelt haben. Der 26-Jährige gab vor Gericht an, er sei kurz vor dem Brand in der Wohnung gewesen, um nach dem Rechten zu sehen, da er bei seiner Freundin wohnte. Plötzlich habe es an der Tür geklopft, als er geöffnet habe, sei niemand draußen gewesen. Kurz nachdem er die Wohnung verlassen hatte, wurde der Brand gemeldet.

Das Gericht hatte Zweifel, dass die Geschichte mit dem Klopfen an der Tür stimmt, sie erscheine konstruiert. Ein Einbrecher werde sich nicht in eine Wohnung begeben, wenn er nach dem Klopfen feststellt, dass sich jemand darin befindet. Zudem sei es höchst unwahrscheinlich, dass in der kurzen Zeit zwischen dem Verlassen der Wohnung und dem Entdecken des Brandes ein anderer in die Wohnung hätte eindringen und einen Brand legen können.

Viel wahrscheinlicher war aus der Sicht des Gerichts nach der Bewertung der zahlreichen Indizien, dass der Angeklagte der Täter war. Schließlich sei er pleite gewesen, die Ausgaben für die Wohnung, die er nicht nutzte, hätten ihn arg belastet. Die Feuerwehr hatte keine Spuren für ein gewaltsames Öffnen der Wohnungstür gefunden. Stattdessen waren an Streichhölzern in der Wohnung eindeutige DNA-Spuren des 26-Jährigen entdeckt worden. Eine Verbindung zu der Brandserie, die es damals in der Nordstadt gegeben hatte, schloss das Gericht aus. Ein Polizist hatte als Zeuge darauf verwiesen, dass diese Vorfälle in frei zugänglichen Räumen - Kellern oder Treppenhäusern - passiert seien, bei der angeklagten Tat handelte es sich um einen Wohnungsbrand. Mit dem Strafmaß lagen die Richter leicht unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die ein Jahr mehr gefordert hatte, die Verteidigung hatte Freispruch verlangt. (pas)

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