Physiker der Uni Kassel bekämpft Coronaviren mit elektrischer Spannung

Über Nacht ein gefragter Mann: Seine Erfindung könnte Luftfilter gegen Corona revolutionieren

Hatte eine gute Idee: Prof. Martin Garcia von der Uni Kassel hat eine Methode entwickelt, mit der Coronaviren mit elektrischer Spannung zerstört werden.
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Hatte eine gute Idee: Prof. Martin Garcia von der Uni Kassel hat eine Methode entwickelt, mit der Coronaviren mit elektrischer Spannung zerstört werden.

Eine gute Idee macht nicht nur glücklich. Sie macht auch Stress. Dies hat in dieser Woche auch der Theoretische Physiker Prof. Martin Garcia von der Uni Kassel erfahren.

Kassel - Der seit 2014 in Kassel tätige Wissenschaftler hat mit seinen Kollegen in einem Modell bewiesen, dass Corona-Viren mithilfe elektrischer Spannung unschädlich gemacht werden können. Diese Erkenntnis könnte beispielsweise die Entwicklung von Luftfiltern revolutionieren. Und genau aus dem Grund steht das Telefon von Garcia nicht mehr still.

Die mediale Aufmerksamkeit hält sich für die Theoretische Physik in der Regel in Grenzen. Doch nun muss Garcia Fernsehteams durch die Hochschule führen und seinen Namen in der Bild-Zeitung lesen. Grund dafür ist eine einfache, aber äußerst effektive Methode zur Bekämpfung von Corona-Viren. Garcia stellte nämlich fest, dass die Spike-Proteine, mit denen das Corona-Virus in unsere Zellen eindringt, mithilfe eines elektrischen Feldes stark beeinflusst werden können. So stark, dass sie nicht mehr an die Zellen andocken können und somit das Virus unschädlich wird.

„Es ist eigentlich erstaunlich, dass noch niemand vor uns auf diese Methode gekommen ist. Die meisten haben auf dem bio-chemischen Weg nach Lösungen gesucht. Die physikalische Methode ist vermutlich zu einfach“, vermutet Garcia, der aus Argentinien stammt und 1988 nach Deutschland kam.

Ausgangspunkt für die Idee ist die Forschung für die Lebensmittelindustrie. Dort werden elektrische Felder eingesetzt, um Proteine so zu verändern, dass Bakterien inaktiviert werden. Auf diese Weise werden Lebensmittel länger haltbar gemacht.

„Als die Corona-Pandemie begann, habe ich mich gefragt, ob solche elektrischen Felder auch das Virus schädigen können“, so der Hochschullehrer. Er habe aber nie gedacht, dass dies so einfach sein könnte. Denn das Spike-Protein ist bis 1000 Mal empfindlicher für elektrische Spannung als andere Proteine. Es braucht also nur eine geringe elektrische Spannung, die etwa von einer Batterie erzeugt werden könnte, um das Virus zu zerstören.

Bislang basiert die Forschung allein auf Simulationen am Computer. Diese seien mittlerweile aber so zuverlässig, dass reale Experimente mit dem Virus wohl zu keinem anderen Ergebnis führen werden. Weil die Forschung also vielversprechend ist, haben schon mehrere Hersteller von Luftreinigern und Filtern bei Garcia angeklopft. Ob es zu einer Zusammenarbeit zwischen Uni Kassel und Wirtschaft kommt, entscheidet aber nicht Garcia, sondern die Hochschule. Diese hat jedenfalls bereits ein Patent angemeldet.

In jedem Fall wäre es eine äußerst günstige Filtertechnik, denn für die Erstellung eines elektrischen Feldes ist nicht viel mehr als eine clevere Anordnung von Drähten und eine Batterie nötig. Der Physiker geht davon aus, dass der bislang notwendige häufige Wechsel der Filter in den Geräten auch nicht mehr erforderlich wäre.

Für den nächsten Schritt plant das Team um Garcia, zu dem auch die Medizinerin Claudia Arbeitman, Pablo Rojas und Pedro Ojeda May gehören, mit Schweizer Wissenschaftlern zusammenzuarbeiten. Diese können einen Teil des Spike-Proteins und den ACE2-Rezeptor, an den es andockt, künstlich herstellen. So könnte im Labor – und ohne gefährliche echte Corona-Viren – überprüft werden, ob die elektrischen Felder das Andocken blockieren. „Das wäre der wissenschaftliche Beweis“, sagt Garcia. Noch in diesem Jahr sollen die Versuche laufen. Anschließend könnte sein Telefon dann vielleicht noch häufiger klingeln. (Bastian Ludwig)

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