Trickbetrüger haben seit März sechsstelligen Betrag ergaunert

Über 100 Schockanrufe in der Region

Lange

Kassel. Die Serie der so genannten Schockanrufe reißt nicht ab: Seit März dieses Jahres hat das Polizeipräsidium Nordhessen mehr als 100 Fälle in der Region registriert, bei denen Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion Opfer von Betrügern waren oder werden sollten.

„In jedem fünften Fall ist es zur Vollendung gekommen“, sagt Polizeisprecher Michael Lange. Sprich: Die Opfer wurden um viele Tausend Euro erleichtert. Der Gesamtschaden liegt nach Angaben der Polizei im sechsstelligen Bereich. Durch verstärkte Aufklärung von Polizei und Medien habe sich das Anzeigeverhalten inzwischen geändert, sagt Lange. Die Fälle, in denen es tatsächlich zum Betrug gekommen ist, seien inzwischen rückläufig. Auffällig ist, dass viele Geschädigte offenbar hohe Bargeldbestände zu Hause lagern. Polizeisprecher Lange appelliert daher, keine größeren Geldbeträge in den eigenen Wänden aufzubewahren.

In Stadt und Landkreis Kassel hat es bislang fünf vollendete Fälle gegeben. Nachdem am vergangenen Dienstag eine 58-Jährige aus Baunatal um 10 000 Euro geprellt wurde, schlugen die Betrüger am Mittwoch und Donnerstag erneut im Schwalm-Eder-Kreis zu.

Die Masche der Täter ist dabei stets dieselbe: Die Betrüger richten sich offenbar gezielt an ältere aus Russland stammende Menschen. Am Telefon berichten sie in russischer Sprache davon, dass ein Familienmitglied in einen Unfall verwickelt sei und seine Angehörigen einen höheren Geldbetrag bezahlen sollten, um eine Anzeige zu verhindern. Die geschilderte Notlage versetze die Betroffenen in einen psychischen Ausnahmezustand.

Beinahe Täter geschnappt

In Homberg wäre es der Polizei am Mittwoch beinahe gelungen, einen der Täter festzunehmen. Ein Ehepaar hatte den Betrüger durchschaut und diesen, als er das Geld abholen wollte, in der Wohnung eingesperrt und nach Hilfe telefoniert. Dem Betrüger (etwa 30 Jahre alt, 185 Meter groß, kräftige athletische Figur, helle mittellange Haare, helles T-Shirt, blaue Hose, farbige Turnschuhe) gelang jedoch die Flucht durchs Fenster.

Die Polizei vermutet hinter den Tätern eine litauische Bande. Häufig würden die Telefonnummern der Anrufer mit der Ziffernfolge 00370 für Litauen beginnen. Sie rät dringend, nicht auf die Forderungen einzugehen, sich aber Telefonnummer, Stimme und sprachliche Besonderheiten des Anrufers einzuprägen.

Wer einen solchen Anruf bekommt, solle sich umgehend an die nächste Polizeidienststelle wenden. Polizeisprecher Lange ruft dazu auf, Bekannte und Nachbarn aus der ehemaligen Sowjetunion auf die Betrugsmasche aufmerksam zu machen. Archivfoto: Rudolph Hinweise: Tel. 910-0

Von Anja Berens

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