Anita Pfaff war damals erst fünf Jahre alt

Überall nur noch tote Fensterhöhlen

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Anita Pfaff

Anita Pfaff, 75, erinnert sich: "Gewohnt haben wir in der Adolfstraße in Wehlheiden in einem quadratischen Gebäudekomplex mit vielen Wohnungen und einem großen Spielinnenhof direkt über dem hinteren Weinberg-Bunker.

Diese Anlage wurde im Volksmund „Fasshalle“ genannt. Heute steht auf dem Gelände die Ingenieurschule. Wegen des ständigen Flieger-Alarms wurde ich abends immer mit Trainings-Anzug ins Bett gelegt, um dann möglichst schnell in den Bunker zu gelangen. An diesem 22. Oktober 1943 sind meine Großeltern und zwei Schwestern meines Vaters in der Moltkestraße ums Leben gekommen.

Ich saß mit meiner Oma und zeitweise meiner Mutter total verängstigt im Bunker. Mein Vater befand sich im Krieg. Meine Mutter befand sich immer wieder beim Luftschutzwart. Auch unser Haus wurde von den Bomben getroffen. Währenddessen hat meine Mutter versucht, einige Möbel zu retten, die dann aber von Plünderern weggeholt wurden.

(...) Ich war Kind, aber ich werde nie den Anblick vergessen, als ich nach dem Angriff aus dem Bunker kam und nur noch die zum Teil zerstörten Außenmauern und die toten Fensterhöhlen erblickt habe! Erst sehr viel später habe ich begriffen, dass meine Großeltern und Tanten den Feuersturm in Kassel nicht überlebt haben. Sie ruhen in den Massengrab-Reihen auf dem Kasseler Karolinen-Friedhof."

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