Überalterung: Kassel droht ein Ärztemangel

Kassel. 141 Hausärzte haben sich im Kasseler Stadtgebiet niedergelassen. Damit ist Kassel - statistisch gesehen - überversorgt. Das geht aus einer Analyse der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH) hervor.  Aber: 65 Prozent der Hausärzte sind älter als 50 Jahre, 15 Prozent über 60 Jahre alt.

Im Vergleich zu anderen Gegenden Hessens sind die Hausärzte in Kassel überdurchschnittlich alt. Geht man von einer Praxisabgabe in einem Alter von 68 Jahren aus, bleiben der Prognose zufolge 2025 von den jetzt 141 nur noch 65 Hausärzte übrig. 76 Stellen müssten neu besetzt werden. 2020 wären 46 und in vier Jahren elf Praxen neu zu besetzen.

Allerdings können Vertragsärzte auch über das 68. Lebensjahr hinaus vertragsärztlich tätig sein und die Praxis noch weiterführen. Um die Niederlassung für junge Allgemeinmediziner wieder attraktiv zu machen, fordert Dr. Ingo Niemetz, Facharzt für Innere Medizin und Aufsichtsratsmitglied der Ärztegenossenschaft Doxs, einen Bürokratieabbau und eine angemessene Honorierung. „Ein Drittel meiner Zeit verwende ich beispielsweise für das Ausfüllen von Formularen“, sagt der Kasseler Arzt. Und für eine Quartalspauschale von 39 Euro pro Patient könne man heute keine Arztpraxis allein mit Kassenpatienten finanzieren, sondern sei auf eine Ausgleichsfinanzierung angewiesen.

Die Attraktivität des Standortes ist für Dr. Karin Müller, Leiterin des Gesundheitsamts Region Kassel, ein entscheidender Faktor, um einem Hausärztemangel in den kommenden Jahren vorzubeugen. „Junge Ärzte achten stärker auf ein gesundes Verhältnis zwischen Arbeit und Freizeit“, sagt sie. In diesem Zusammenhang sei die Anzahl der Bereitschaftsdienste ein wichtiges Kriterium für eine Niederlassung. Außerdem komme Teilzeitangeboten und Ärzte-Kooperationen künftig eine größere Bedeutung zu.

Von Mirko Konrad

Rubriklistenbild: © dpa

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