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Überfall auf Bio-Markt: 23-jähriger Kasseler zu Bewährungsstrafe verurteilt

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Von: Alina Andraczek

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Hier fiel das Urteil: Die 11. Strafkammer des Landgerichts Kassel verurteilte den 23-Jährigen aus Kassel zu einer Bewährungsstrafe.
Hier fiel das Urteil: Die 11. Strafkammer des Landgerichts Kassel verurteilte den 23-Jährigen aus Kassel zu einer Bewährungsstrafe. © Barbara Kamisli

Er hatte frühmorgens einen Bio-Markt an der Wilhelmshöher Allee überfallen und mehrere Mitarbeiter mit einer Schreckschusspistole bedroht: Am Montag hat das Landgericht Kassel einen 23-Jährigen des schweren Raubes schuldig gesprochen.

Die 11. Strafkammer des Landgerichts hat den geständigen jungen Mann zu zwei Jahren Haftstrafe auf Bewährung verurteilt. An zwei Verhandlungstagen waren mehrere Zeugen, ein psychiatrischer Sachverständiger und der Angeklagte selbst angehört worden. Die Richter hatten daher keinen Zweifel daran, was in der Tatnacht des 17. Juli vergangenen Jahres geschehen war.

295 Euro Wechselgeld erbeutet

Laut Urteil hatte der Kasseler gegen 5.20 Uhr einen Bio-Markt an der Wilhelmshöher Allee vor Ladenöffnung betreten, mehrere Mitarbeiter mit einer Schreckschusspistole bedroht und gedrängt, die Kassen zu öffnen. Mit der Waffe zielte er auf einzelne Mitarbeiter. Nachdem er 295 Euro Wechselgeld erbeutet hatte, verließ er den Bio-Markt und floh mit dem Fahrrad. Festgenommen hatte ihn etwa einen Monat später ein Sondereinsatzkommando der Polizei.

Erst Party, dann die Geldnot

Schon am ersten Verhandlungstag hatte der 23-Jährige ein umfassendes Geständnis abgelegt. Demnach war er vor der Tat auf der Partymeile der Friedrich-Ebert-Straße feiern gewesen und hatte große Mengen Alkohol, Cannabis, Kokain und Xanax – ein starkes Medikament, das zur Behandlung von Panikstörungen vorgesehen ist – konsumiert. Als er gegen 4 Uhr nachts zuhause ankam, habe er festgestellt, dass er kein Essen im Kühlschrank und kein Geld mehr hatte – woraufhin er einen Überfall erwogen hatte.

Mischkonsum hatte „enthemmende Wirkung“

Vor der Urteilsfindung stand gestern im Fokus, ob die Steuerungsfähigkeit des Angeklagten – insbesondere durch seinen Alkohol- und Drogenkonsum – eingeschränkt gewesen war. Ein psychiatrischer Sachverständiger sah keine Anzeichen für eine psychische Krankheit oder Substanzabhängigkeit und riet vom Maßregelvollzug ab. Nach Einschätzung des Psychiaters habe der Mischkonsum in der Tatnacht eine „enthemmende Wirkung“ gehabt. Für eine Vergiftung und damit „starke Beeinträchtigung der Steuerungsfähigkeit“ sah er aber keine objektiven Belege, da der 23-Jährige laut Zeugenaussagen durchaus kontrolliert handelte.

Staatsanwaltschaft forderte vier Jahre und acht Monate Haft

Auf die Steuerungsfähigkeit und das „planvolle Vorgehen“ des 23-Jährigen stützte sich auch die Staatsanwaltschaft, die für eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und acht Monaten plädierte. Verteidiger Mustafa Üstün ging von einem minder schweren Fall aus und plädierte für 18 Monate auf Bewährung. Seinen Ausführungen folgten die Richter und erkannten den Fall ebenfalls als einen minder schweren: Die Opfern, die nach dem Überfall teilweise psychologische Betreuung in Anspruch genommen hatten, seien glücklicherweise nicht langfristig beeinträchtigt, der Angeklagte habe sich geständig und einsichtig gezeigt, und sich zum Tatzeitpunkt in einer „besonderen persönlichen Situation“ befunden.

Urteil: Zwei Jahre Haft auf Bewährung

Die Richter gingen zudem davon aus, dass schon die rund zweimonatige Untersuchungshaft „Wirkung gezeigt“ habe. Es sei keine Flucht- und Wiederholungsgefahr zu erkennen, hieß es in dem Urteil. Die zweijährige Freiheitsstrafe wurde daher zur Bewährung ausgesetzt.

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