Keine Beweise für Raub

Überfall auf Kasseler Videothek - Die beiden Angeklagten wurden freigesprochen

Kassel. Als zwei junge Männer in sein Geschäft an der Erzbergerstraße stürmten, hatte der heute 72-jährige Videothekar nur Augen für die Pistole, die auf seinen Kopf gerichtet war.

Täter zog Pistole

Seinen Anfang nimmt die Geschichte am 2. Juli 2009. Um 22.45 Uhr kommen zwei Männer in die Videothek. Eine Maske tragen sie nicht. Einer der beiden zieht seine Pistole. Noch hält das Opfer den Überfall für einen dummen Scherz. Wie ernst es die Männer meinen, beweist einer von beiden: Er fordert Geld und verpasst dem Geschäftsinhaber einen Schlag mit der Pistole gegen den Kopf. „Was soll das? Ich mach’ doch keine Probleme“, entgegnet das Opfer.

Die 190 Euro aus der Kasse sind den Tätern nicht genug. Sie fordern das Portemonnaie des Videothekars - und der gibt es ihnen. Noch einmal etwa 150 Euro finden sie darin. Bevor sie mit der Beute flüchten, gibt es einen weiteren Schlag mit der Pistole auf die Schläfe des 72-Jährigen. Es spritzt Blut, das Opfer geht zu Boden.

Ein Kunde, der sich zur Tatzeit im hinteren Teil der Videothek aufhält, kommt erst hinzu, als die Männer bereits weg sind. Der Videothekar wird mit gerissener Ohrmuschel und Platzwunde ins Krankenhaus eingeliefert. Er ist bis heute traumatisiert.

Es sieht alles nach einem schnellen Fahndungserfolg aus. Eine halbe Stunde nach der Tat entdeckt eine Zivilstreife in der Nähe der Uni zwei Personen, deren Aussehen zur Täterbeschreibung passt. Einer der beiden wird gestellt, der zweite flüchtet, wird aber kurz darauf auf dem Hof eines Autohändlers gefasst. Dort findet die Polizei Geldscheine, die offenbar fallen gelassen wurden. An der Kleidung beider Verdächtiger wird jede Menge Blut gefunden. Nur gehört es nicht dem Opfer, dessen Blut über den Kassenbereich gespritzt war und die Täter hätte treffen müssen. Es stammt von den Angeklagten und einer weiteren, unbekannten Person. Bei einer Gegenüberstellung kurz nach dem Überfall glaubt das Opfer zwar, den 21-jährigen Angeklagten als Täter wiederzuerkennen - wirklich sicher ist es sich nicht. Auch die Waffe wird nicht gefunden.

Am Ende der Verhandlung reichten die Beweise für eine Verurteilung nicht aus. Auch wenn einige Umstände für die Schuld der Angeklagten sprächen, wie Richter Pree sagte. Seinem Urteil fügte er an, dass es in diesem Fall „Merkwürdigkeiten“ gebe. Der Richter sprach damit die Blutspuren an, die auf andere Straftaten hindeuteten, aber deren Herkunft wohl nie ans Tageslicht kämen.

Von Ralf Pasch

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