Trio raubte Rentnerin Handtasche mit Schmuck: Jugendarrest

Kassel. „Das hätte meine Oma sein können - und wäre ihr das passiert, wäre ich schockiert gewesen“, sagte einer der drei jungen Männer, die im November vergangenen Jahres einer Rentnerin die Handtasche geraubt haben, am Montag vor dem Amtsgericht.

Sein Kumpan entschuldigte sich in einem Brief an das Opfer für „das Unmenschliche, das wir Ihnen angetan haben“. Er wisse, wovon er schreibe, schließlich sei er selbst schon in der Schule abgerippt worden.

Die drei Angeklagten im Alter zwischen 16 und 19 Jahren gestanden den Überfall auf die 64-Jährige am Montag und kassierten dafür jeweils zwei Wochen Jugendarrest.

Der Anlass für die Tat war banal: Die drei wollten, wie einer von ihnen sagte, in der Nähe des Freibades Wilhelmshöhe etwas zu trinken kaufen, hatten aber kein Geld. Da sei ihnen – ganz spontan – die Idee gekommen, die alte Dame zu überfallen.

Die 64-Jährige berichtete am Montag als Zeugin, sie sei auf dem Nachhauseweg gewesen. Als sie am Schwimmbad vorbeikam, „lief jemand hinter mir her“. Der heute 16-Jährige versuchte, wie er am Montag zugab, der Frau die Tasche zu entreißen, doch die ließ nicht locker. „Ich habe darum gekämpft.“ Sie fiel zu Boden und wurde von dem Angreifer samt Tasche einige Meter über den Boden gezerrt – bis zu einem Waldstück, wo sie die Tasche nicht mehr festhalten konnte.

Die drei Angeklagten flohen damit und fanden später darin Schmuck im Wert von rund 3000 Euro, da die 64-jährige Innenarchitektin Schmuck gestaltet. Sie stiegen mit der Beute in eine Straßenbahn, bemerkten dann aber, dass die Polizei der Tram folgte. Deshalb versteckten sie den Schmuck zwischen den Sitzen.

Die Beamten waren von einer jungen Frau alarmiert worden, die die ausgeraubte 64-Jährige gefunden hatte. Die Polizisten nahmen die drei fest, die Straßenbahnfahrerin fand den Schmuck an der Endhaltestelle beim Aufräumen. Die wertvollen Stücke konnten der Besitzerin zurückgegeben werden, allerdings ist ein Stein bis heute verschollen.

Die 64-Jährige wirkte als Zeugin vor Gericht äußerst gefasst. Sie leidet freilich bis heute unter den Verletzungen, die sie sich damals zuzog. Am Tag nach dem Überfall sei sie die Strecke abgegangen. „Ich wollte keine Angst aufkommen lassen.“ Vor Gericht nahm sie die Entschuldigungen der Angeklagten an. Allerdings, so betonte sie, wolle sie den materiellen Schaden ersetzt haben.

Das Gericht verurteilte die drei Angeklagten außer zu Jugendarrest auch zu gemeinnütziger Arbeit. Der 16-Jährige, der der Rentnerin die Tasche weggenommen hatte, muss 60 Stunden arbeiten, die beiden anderen jeweils 30 Stunden.

Auf diese Weise sollen die rund tausend Euro zusammenkommen, die der 64-Jährigen aus dem Opferfonds als Entschädigung zugesprochen wurden. Der 18-jährige Angeklagte muss sich, da er weder ein Einkommen noch eine Zukunftsperspektive hat, drei Monate lang von der Jugendgerichtshilfe betreuen lassen. (pas)

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