Männer wollten Drogen

Räuber-Trio raubte 24-Jährigen und dessen Freunde aus

Kassel. „Ich bin entsetzt, so junge Leute und schon so verdorben“, schimpfte eine Zuschauerin am Donnerstag im Gerichtssaal. Vor der 5. Strafkammer müssen sich seitdem drei Angeklagte im Alter zwischen 22 und 29 Jahren verantworten.

Sie hatten im April vergangenen Jahres einen heute 24-Jährigen und dessen Freunde in seiner Wohnung überfallen - alle drei waren mit Sturmhauben maskiert und zwei von ihnen mit Messern bewaffnet. Immerhin gestanden sie die Tat am ersten Prozesstag ein. „Ich weiß nicht, was uns da geritten hat“, sagte der Jüngste. „Ich schäme mich dafür, dass ich hier sitze.“

Sein 26-jähriger Kumpan hatte die Sache ins Rollen gebracht. Es habe sich „hochgeschaukelt“, beschrieb er die Situation an jenem Tag. Er hatte bei dem späteren Opfer schon mal Drogen gekauft. „Es wusste jeder, dass er Gras zu Hause liegen hatte.“ Und so beschloss er, dem 24-Jährigen „Stoff abzunehmen“.

Bevor er mit seinen beiden Helfern zu der Wohnung fuhr, tranken die drei sich Mut an, auch Amphetamine machten die Runde. Am Ziel angekommen, musste das Trio feststellen, dass ihr Opfer gerade Besuch von zwei jungen Männern bekam. Als diese beiden klingelten und die Wohnungstür geöffnet wurde, stürmten die drei Maskierten von hinten herbei und drängten die Besucher in die Wohnung, wo schon ein weiterer Gast war.

Während der 26-Jährige dem vermeintlichen Dealer mit vorgehaltenem Messer klarmachte, dass er auf Gras aus ist, schoben die beiden anderen die drei Besucher ins Bad. Der 29-jährige Angeklagte fuchtelte dort nicht nur mit seinem Messer herum, er schlug mit dem Griff auch auf einen der Besucher ein.

Die Hoffnung des Trios auf Marihuana erfüllte sich nicht. „Ich hatte lediglich ein bis anderthalb Gramm im Haus“, erinnerte sich das Opfer vor Gericht. Mit vorgehaltenem Messer bugsierte ihn der 26-Jährige zu einem Nachbarn, der angeblich auch mit Drogen handelt. Doch auch dort: Fehlanzeige. Der Nachbar war durch den Lärm alarmiert worden und ließ niemanden hinein.

Ohne Beute wollte das Trio jedoch nicht abziehen. Deshalb nahmen die drei dem 24-Jährigen und seinen Besuchern Bargeld, ein Handy und eine Jacke ab, auch ein Laptop ließen sie mitgehen.

Bevor sie von dannen zogen, sperrten sie die drei Besucher im Bad ein. Der 24-Jährige musste später die verschlossene Tür eintreten, um seine drei Gäste zu befreien. Er habe „kaum Verletzungen“ davongetragen, sagte er im Zeugenstand, ein paar Schrammen, eine Schnittwunde.

Viel schlimmer sei der „psychische Knacks“, den er an jenem Tag erlitten habe. „Ich traue mich kaum noch auf die Straße.“ Er weigerte sich dann auch, die Entschuldigungen der beiden Hauptakteure anzunehmen, lediglich die des 22-jährigen Angeklagten, der in dem Geschehen eine Randfigur war, nahm er an.

Am 7. Januar soll der Prozess fortgesetzt werden. (pas)

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