Amtsgericht: Drei Männer sollen gemeinschaftlichen Diebstahl abgesprochen haben

War Überfall nur vorgetäuscht?

Kassel. War der nächtliche Überfall im Oktober 2010 auf eine Spielhalle in der Nordstadt, bei dem rund 4000 Euro gestohlen wurden, vorgetäuscht? Wegen dieses Vorwurfs müssen sich seit gestern drei Angeklagte zwischen 28 und 32 Jahren vor dem Amtsgericht verantworten.

Sie präsentierten zwei Versionen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 30- und dem 32-Jährigen vor, sie hätten den Überfall mit dem 28-jährigen Mitarbeiter der Spielhalle, der mit auf der Anklagebank sitzt, abgesprochen. So bestätigte es auch der 30-Jährige. „Ich brauchte Geld“, sagte er.

Das habe er dem Spielhallen-Mitarbeiter erzählt, und der habe, weil er selbst klamm gewesen sei, den Vorschlag gemacht, einen Überfall zu fingieren und sich die Beute zu teilen.

Noch in derselben Nacht habe der 28-Jährige angerufen und durchgegeben, dass die Gelegenheit günstig sei, da die Spielhalle leer sei, berichtete der 30-Jährige. Gemeinsam mit dem 32-Jährigen sei er - maskiert und mit einem Küchenmesser sowie einer Kneifzange, die eine Pistole vortäuschen sollte, - in die Spielothek gegangen und habe so getan, als fordere er den Mann hinter der Theke auf, Geld herauszurücken. Mit ihrer Beute flüchteten die beiden, an der Wohnung des 32-Jährigen wurden sie schon von der Polizei erwartet.

Der 32-Jährige erzählte eine ähnliche Version. Er hatte den Mann neben ihm auf der Anklagebank drei Tage vor dem Überfall gefragt, ob der ihm Geld leihen könnte. „Tausend Euro hätten mir genügt.“ Da sei überraschend der Vorschlag von dem Spielothek-Mitarbeiter gekommen, der die Hälfte der Beute für sich gefordert habe.

Der bestritt gestern, der Anstifter gewesen zu sein. Den 30-Jährigen kenne er nur flüchtig. Wenige Stunden vor dem Vorfall habe der von seinen Geldproblemen erzählt, danach sei er gegangen. Wenig später habe er mehrmals angerufen und gefragt, ob denn Automaten frei seien, an denen er spielen könne. Plötzlich seien zwei maskierte Männer aufgetaucht und hätten von ihm verlangt, Geld aus der Kasse und einem Safe herauszugeben. Einer der beiden habe mit einem Messer herumgefuchtelt. „Ich hatte Angst um mein Leben.“ Er habe beobachtet, in welche Richtung die beiden flohen und habe die Polizei angerufen.

Welcher der beiden Versionen das Gericht folgt, muss sich bei einem zweiten Prozesstag zeigen, gestern konnten nur einige der geplanten 16 Zeugen gehört werden.

Zudem muss sich der 30-Jährige wegen weiterer Vorwürfe verantworten. Er soll zwei Frauen vorgegaukelt haben, er brauche Geld, um unter anderem die Beerdigung seiner Mutter zu finanzieren. Die Frauen ließen sich laut Staatsanwaltschaft dazu überreden, ihm rund 45 000 Euro zu leihen, die sie nie wiedersahen. Außerdem soll er in einem Spielsalon versucht haben, einen falschen 50-Euro-Schein zu wechseln. (pas)

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