Drei Angeklagte kassierten für fingierte Straftat hohe Bewährungs- und Geldstrafen

Überfall wirkte wie ein Schaulaufen

Kassel. „Ich bin das Opfer, ich bin nicht bereit, die Konsequenzen für die Straftaten anderer zu tragen“, protestierte der 28-jährige Angeklagte noch kurz vor der Urteilsverkündung. Doch das Gericht sah es anders. Es war am Ende davon überzeugt, dass er mit seinen beiden Mitangeklagten im Oktober 2010 einen Überfall auf einen Spielsalon in der Nordstadt fingiert hat.

Deshalb kassierte er vor dem Amtsgericht eine Freiheitsstrafe von neun Monaten, die zu drei Jahren auf Bewährung ausgesetzt wird. Er muss zudem 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Der 27-jährige Angeklagte bekam fünf Monate, die ebenfalls zu drei Jahren auf Bewährung ausgesetzt werden, sein 32-jähriger Kumpan, offenbar der Handlanger, kam mit einer Geldstrafe von 2800 Euro davon.

Bis zum Ende des Prozesses stand Aussage gegen Aussage: Der 27-Jährige hatte behauptet, er habe Geld gebraucht und deshalb mit dem 28-Jährigen, der damals in dem Spielsalon arbeitete, vereinbart, einen Überfall vorzutäuschen. Die Beute sollte geteilt werden. Nach dieser Abmachung sei er gemeinsam mit dem 32-Jährigen in der Spielothek aufgetaucht – maskiert und mit einem Küchenmesser sowie einer Zange ausstaffiert, die eine Pistole vortäuschen sollte. Über 4000 Euro soll ihnen der Spielhallenmitarbeiter – quasi freiwillig – aus der Kasse und aus einem Tresor gegeben haben. Die beiden kamen nicht weit, denn an der Wohnung des 32-Jährigen wurden sie von der Polizei erwartet.

Der 28-Jährige bestritt bis zuletzt, etwas mit der Sache zu tun zu haben. Er habe zwar den 27-Jährigen als Besucher der Spielhalle gekannt, der habe auch von Geldproblemen erzählt, doch der Überfall sei für ihn vollkommen überraschend gewesen, er habe um sein Leben gefürchtet.

Das Gericht fand jedoch die Darstellung der beiden anderen Angeklagten, die in ihrem Geständnis von einer abgesprochenen Aktion berichtet hatten, überzeugender. Auf dem Überwachungsvideo aus der Spielothek habe der Vorfall wie „ein Schaulaufen“ gewirkt, sagte Richterin Focke. Der 32-Jährige etwa habe vollkommen entspannt sein Messer auf dem Tresen abgelegt und die Handschuhe ausgezogen.

Der angeblich überrumpelte Mitarbeiter und die maskierten Eindringlinge hätten sich nach der Geldübergabe gar mit dem Abklatschen der Fäuste verabschiedet. Und beim Verlassen des Raumes habe der 32-Jährige noch einmal demonstrativ mit dem Messer herumgefuchtelt. Die Tat sei offensichtlich nur für das Video inszeniert worden.

Ein weiteres Indiz dafür war eine Vorstrafe des 28-Jährigen: Schon einmal hat er die Idee für einen vorgetäuschten Überfall gehabt. (pas)

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