2018 gab es fast eine Million Übernachtungen

Immer mehr Übernachtungen in Kassel: Besucherrekord ohne documenta

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Märchenhafter Königsplatz: Der Kasseler Märchen-Weihnachtsmarkt lockt in der Adventszeit Besucher aus ganz Deutschland und darüber hinaus.

Nachdem im documenta-Jahr 2017 erstmals mehr als eine Million touristische Übernachtungen in Kassel registriert wurden, gibt es nun eine weitere Bestmarke bei den Besucherzahlen.

Für 2018 wurden gut 533.000 Gäste gezählt, die insgesamt rund 931.000 Mal in Kassel übernachtet haben. So viele waren es "noch nie in einem Jahr ohne documenta", freute sich Oberbürgermeister Christian Geselle über die aktuellen Zahlen des Statistischen Landesamts.

Alle fünf Jahre sorgt die Weltkunstschau in Kassel für touristische Ausnahmewerte. So sind die Zahlen gegenüber dem documenta-Jahr 2017 freilich zurückgegangen. Vergleicht man sie jedoch mit dem "normalen" Tourismusjahr 2016, so ergibt sich eine Steigerung um 5,8 Prozent bei den Übernachtungen und sogar um 6,7 Prozent bei den Gästeankünften. In Zahlen: 2018 haben gut 33.000 Gäste mehr in Kassel Station gemacht als zwei Jahre zuvor. Die Zahl der Übernachtungen stieg um gut 51.000 gegenüber 2016.

Doch auch der touristische Vergleich mit documenta-Jahren offenbart Bemerkenswertes: Die jüngsten Übernachtungszahlen in Kassel erreichten fast das Niveau von 2012, dem Jahr von Carolyn Christov-Bakargievs d13-Ausstellung. Die absolute Zahl der Kassel-Besucher lag 2018 aber sogar um fast 33 000 höher als in jenem documenta-Jahr, wo 500 400 Gästeankünfte gezählt wurden.

Zunehmend beliebt wird Kassel laut der Statistik bei ausländischen Touristen. Auf sie entfielen im Vorjahr 136 600 oder 14,7 Prozent aller Übernachtungen. Der Anteil dieser Gästegruppe sei von 2016 auf 2018 stärker gewachsen als in allen Nicht-documenta-Jahren seit 2005, teilte Kassel Marketing mit.

Das bringen die Gäste der Stadt und der Tourismusbranche

Steigende Gästezahlen sind nicht nur gut fürs Image einer Stadt. Die Tourismusbranche in Kassel entwickele sich „zu einem Wirtschaftsfaktor von wachsender Bedeutung“, sagte Stadtbaurat Christof Nolda, der Aufsichtsratsvorsitzende der Kassel Marketing GmbH.

Laut einer Studie der Beratungsfirma dwif löst das Geschäft mit den Gästen jedes Jahr einen Bruttoumsatz von 600 Millionen Euro in Kassel aus. Dieses Geld wird zumeist in der Gastronomie, Hotellerie und im Kasseler Einzelhandel ausgegeben. In dieser Rechnung sind aber nicht nur übernachtende Touristen enthalten. Zwei Drittel der Umsätze entfallen auf rund 14 Millionen Tagesbesucher pro Jahr. Das sind Gäste, die zum Beispiel aus dem Umland für einen Veranstaltungs- oder Restaurantbesuch in die Stadt kommen oder von weiter her zu den Wasserspielen im Bergpark oder zum Weihnachtsmarkt.

Auch unter den Hotelgästen in Kassel stellen Kulturreisende und andere Stadt-Urlauber nicht die Mehrheit. „70 Prozent aller Übernachtungen werden aus dem Geschäftstourismus generiert“, erläutert Andreas Bilo, Geschäftsführer von Kassel Marketing. Die zentrale Lage Kassels werde zunehmend von Kongressveranstaltern entdeckt und genutzt.

Neben Dauerbrennern wie der Manga--Messe Connichi mit zuletzt 26 000 Teilnehmern hatten im Vorjahr unter anderem ein internationaler christlicher Jugendleiter-Kongress mit 1700 Besuchern sowie eine bundesweite Online-Händler-Fachmesse des Kasseler Systemanbieters Plentymarkets (1500 Gäste) für Auslastung von Kassels Hotelbetten gesorgt. Vor allem für dieses Kongressgeschäft „brauchen wir in Kassel mittelfristig größere Hotelkapazitäten“, sagte Bilo.

Massentreff der Manga-Fans: Zur Kasseler Connichi im Kongress-Palais reisten zuletzt 26.000 fantasievoll kostümierte Besucher an.

Die allgemein gute Entwicklung bei den Tourismuszahlen führt Bilo auch auf die „zunehmend internationalen“ Kassel-Kampagnen von Kassel Marketing zurück sowie auf „das gut funktionierende Netzwerk“, das die städtischen Touristiker inzwischen aufgebaut hätten.

Die amtlichen Übernachtungszahlen bilden nach seinen Angaben auch nur einen gewissen Teil des touristischen Zuspruchs in Kassel ab. Denn die Landesstatistik erfasst lediglich Hotels und andere größere Beherbergungsbetriebe, die über mindestens zehn Betten verfügen.

Laut der genannten dwif-Untersuchung für Kassel Marketing kämen aber jährlich noch 1,3 Millionen Übernachtungen sogenannter Sofatouristen hinzu, die bei Freunden und Verwandten in Kassel unterkommen. Zudem seien beim Online-Vermittler Airbnb aktuell 568 Privatunterkünfte in Kassel gelistet. So könne es durchaus sein, dass die offizielle Zahl von 930 000 Übernachtungen in der touristischen Realität etwa verdreifacht werden müsste.

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