Überraschungsbesuch: Mehmet Göker spaltet noch immer

Kassel. Er spaltet. „Dass der sich hier rechtfertigen darf“, regt sich eine Frau am Sonntagabend um 20.30 Uhr im Bali-Kino auf. Sie will sich einen Film anschauen, doch der Start verzögert sich. Der Kinosaal ist noch voll.

Von Zuschauern, die sich zuvor die Dokumentation von Klaus Stern „Versicherungsvertreter“ angeschaut haben. Der Filmemacher ist anwesend und spricht vor dem Publikum mit dem Protagonisten des Films: Mehmet E. Göker (32), der mittlerweile in der Türkei lebt, hat sich zum ersten Mal die Dokumentation über sich angeschaut. Ein Überraschungsgast für das Gros des Publikums.

Fotos: Kassel - Göker schaute sich den Göker-Film an

Kassel: Göker schaute sich den Göker-Film an

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Göker über Göker-Film: "Gier frisst Hirn" hat gepasst

"Ja, das war schon gut dargestellt“, sagt Göker über den Film. Der Ex-MEG-Chef gibt sich auch selbstkritisch: „Gier frisst Hirn hat auf mich hundertprozentig gepasst.“ Einst fuhr er Ferrari, jetzt hat er über 20 Millionen Euro Schulden. Er erzählt, dass er mit 29 Jahren zwölf Millionen Euro auf seinem Privatkonto hatte und zum 30. Geburtstag vier Kilogramm Gold geschenkt bekommen hat. Heute kauft er nach eigenen Angaben bei Lidl in Griechenland ein.

Und er rechtfertigt sich mit vielen Worten. „Niemals habe ich jemanden beklaut“ und „Es gibt nichts nachzuweisen.“ Das sagt Göker mit Blick auf die schwebenden Gerichtsverfahren.

Ein Zuschauer will wissen, wie Gökers Mutter in der Türkei an die neue Firma gekommen ist. „Indem sie sie gegründet hat“, antwortet Göker knapp. „Mir tut der Herr Göker so leid“, sagt ein Zuschauer ironisch, als er den Saal verlässt. Bei Regisseur Stern bedankt sich derselbe Mann für den Film und die Aufklärung über die Machenschaften in der Versicherungsbranche. „Das ist nur die Spitze des Eisbergs“, mutmaßt er.

Video-Langversion: Göker steht Rede und Antwort

Aber es sitzen nicht nur Göker-Kritiker im Publikum. Ehemalige MEG-Mitarbeiter und Freunde sind in die Vorstellung gekommen, um den Mann, der einst knieend Siegelringe an Mitarbeiter verteilt hat, zu begleiten. Göker hat nach wie vor seine Anhänger, die wie im Film heute noch an ihm kleben. Männer lassen sich gern mit ihm fotografieren, blonde Frauen umarmen ihn.

Die 17 Freikarten, die Stern für Göker und seine Begleiter zur Verfügung gestellt hat, reichen nicht aus. Auch wenn Göker sagt, dass ihm die Dokumentation gut gefallen hat, so hat er doch Schwierigkeiten mit dem Filmplakat. Er ist dort mit dicker Zigarre, Siegelring und auffälligem Hemd abgebildet. „Das Plakat spiegelt nicht das wider, was mein Berufsleben war. Das war hart, anstrengend und zeitaufwändig.“

Auf dem Plakat werde kein typischer Versicherungsvertreter abgebildet, sagt er. Fühlte er sich etwa als typischer, ja durchschnittlicher Versicherungsvertreter? „Ganz so durchschnittlich war ich ja nicht. Sonst wäre die MEG nicht dahin gekommen, wo sie war.“ Ihr ehemaliger Chef wird am Dienstag jedenfalls als Angeklagter im Amtsgerichts sein. Das hat er zumindest angekündigt. (use)

Video: Der Trailer zum Film

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