Überreste der Husarenkaserne

Überreste der Husarenkaserne: Ruine wurde zu Spielplatz

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Areal für Abenteuer: Kinder nutzten die Überreste der Husarenkaserne und den Kasernenhof als großen Spielplatz.

Kassel. Zur 1100-Jahr-Feier Kassels finden vom 18. bis 24. April im Rathaus eine Ausstellung und Vorträge zum Thema „Kassel als Garnison“ statt. Wir blicken auf die Husarenkaserne an der Frankfurter Straße, die nach ihrer Zerstörung von den Menschen umgenutzt wurde.

Den Bomben im Zweiten Weltkrieg hielt selbst die mächtige Husarenkaserne nicht stand. Deshalb ist von der militärischen Anlage, die 1889 an der Frankfurter Straße erbaut wurde, nichts mehr zu sehen. Wie auch das dahinter liegende Standortlazarett wurde sie im Krieg zerstört. Bis in den 60er-Jahren an der Stelle das Versorgungsamt errichtet wurde, war in den Ruinen ein provisorisches Wohn- und Arbeitsquartier entstanden.

Führung auf altem Kasernengelände

• Im Versorgungsamt, Frankfurter Str. 84a, ist noch bis zum 13. April die Ausstellung „150 Jahre Südstadt“ zu sehen.

• Am Mittwoch, 10. April, findet um 15 Uhr ein Spaziergang über das Gelände der ehemaligen Husarenkaserne statt.

• Am Freitag, 12. April,15 Uhr, wird im Versorgungsamt der Film „Bomben über Kassel“ gezeigt.

• Samstag, 13. April: Führung „Spurensuche durch das ehemalige Jugendstilviertel“. Treffpunkt: 16 Uhr Kita Landaustr. (bal)

Anmeldung: 0561/ 45195

Gerlind Wagner (68) erinnert sich noch gut an diese Zeit, als ihr Vater Werner Glöckner auf dem Areal einen Friseursalon eröffnete. „In den Ruinen der Kaserne und auf den Trümmern entstand ein kleines Dorf mit Gewerbebetrieben und Wohnungen“, sagt Wagner. Auch ihre Familie zog in ein neu gebautes Haus, „Südbad“ genannt, in dem Anwohnern ohne eigenes Bad Wannenbäder angeboten wurden. Wo einst berittene Soldaten stationiert waren, machten nun Handwerker und Händler ihre Geschäfte: Zwei Schreinereien, eine Mosterei, eine Autowerkstatt, eine Reitschule, eine Spedition, ein Farbengeschäft, ein Seifenhändler und eine Schlosserei ließen sich auf dem Gelände nieder. Die Reitschule nutzte die alten Ställe der Kaserne, auch eine Klinik für Pferde wurde eingerichtet. Neben den Wagners lebten etwa 25 weitere Familien in zerstörten Gebäudeteilen und hastig hochgezogenen Neubauten. Während die Eltern ihrer Arbeit nachgingen, war die Kriegsbaulücke, die von Anwohnern „Kasernenhof“ genannt wurde, für die Kinder ein großer Abenteuerspielplatz.

Gerlind Wagner

„Wir haben dort Räuber und Gendarm und Völkerball gespielt und dem Schmied beim Beschlagen der Pferde zugeschaut“, erzählt Wagner. Im ehemaligen Lazarettpark, wo Baracken für Kriegsflüchtlinge errichtet wurden, studierten die Kinder Theaterstücke ein. Im ehemaligen Torhaus des Lazaretts an der Heckerstraße richtete sich für viele Jahre der Wetterdienst ein.

Der Hobby-Historiker Heinz Körner, der auch die Ausstellung „Kassel als Garnison“ organisierte, hat sich auch mit der Umnutzung nach dem Krieg beschäftigt. „Jeder, der nach dem Krieg einen Platz für Gewerbe oder zum Wohnen brauchte, suchte sich dort etwas“, sagt Körner.

Fotos: Die Husarenkaserne

Ruine der Husarenkaserne wurde zu Spielplatz

In den 60er-Jahren war die Zeit des improvisierten Übergangs vorbei, und auf dem Gelände entstand sozialer Wohnungsbau. Auch Familie Wagner musste weichen, weil an der Stelle des Südbads das Versorgungsamt gebaut werden sollte. Der Krieg hatte nicht nur im gründerzeitlichen Stadtbild des einstigen Frankfurter-Tor-Viertels Spuren hinterlassen. Vor 1939 lebten dort über 9000 Einwohner, 1946 waren es nur noch 3300.

Von Bastian Ludwig

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