DGB-Umfrage unter studentischen Hilfskräften: Viele kennen ihre Rechte nicht

Überstunden an der Uni

Hannah Rappe

Kassel. Die einen sehen es als Karrieresprungbrett, für andere ist es ein Job, um das Studium zu finanzieren: Studentische Hilfskräfte stehen auf der untersten Stufe des wissenschaftlichen Personals. Eine aktuelle Umfrage des DGB zeigt: Viele so genannte Hiwis leisten unbezahlte Überstunden, werden schlechter bezahlt, als es ihnen zusteht und sind über ihre Rechte als Arbeitnehmer kaum informiert.

„Wir stellen insbesondere bei den Arbeitszeiten erhebliche Mängel fest“, sagt Hannah Rappe, die die Umfrage des Deutschen Gewerkschaftsbundes geleitet hat. Jeder zweite Hiwi mache gelegentlich oder regelmäßig Überstunden – zusätzlich bezahlt würden sie meistens nicht, sagt Rappe.

Knapp 200 Hilfskräfte der Universität Kassel haben sich an der Umfrage beteiligt. Damit sei der Hiwi-Report des DGB-Jugendbüros Nordhessen zwar nicht repräsentativ, aber er lasse Trendaussagen über die Arbeitsbedingungen zu. Wissenschaftlich begleitet wurde die Studie von dem Politologen Dr. Samuel Greef und dem Arbeitswissenschaftler Dr. Jürgen Klippert.

Im Schnitt arbeitet ein Hiwi 39 Stunden pro Monat. Allerdings hat jede fünfte studentische Hilfskraft zwei oder sogar drei Verträge, um den Lebensunterhalt bestreiten zu können. Dennoch sagten 47 Prozent der Befragten, dass sie zusätzlich außerhalb der Uni arbeiten würden.

Seit Jahresbeginn gelten an der Uni Kassel neun Euro Stundenlohn für Hiwis. Wer den Bachelor oder einen anderen Abschluss vorweisen kann, hat Anspruch auf 10,50 Euro. Doch jeder siebte Hiwi mit Abschluss erhält trotzdem nur den niedrigeren Stundensatz. „Das wertet den Bachelor schon innerhalb der Universität ab“, schrieb ein Student in der Umfrage.

Schlecht informiert

Der Hiwi-Report offenbart noch weitere Probleme: Nicht einmal jedem dritten Hiwi wurde bei der Einstellung die Broschüre gegeben, die ihn über seine Rechte als Arbeitnehmer informieren soll. Und 32,5 Prozent der Befragten wussten nichts oder nur wenig davon, dass sie Anspruch auf bezahlten Urlaub haben.

Klagen über schlechte Arbeitsbedingungen seien jedoch Einzelfälle, sagt Rappe: „Es war nicht so katastrophal, wie wir befürchtet haben.“ Der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) will die Studie zum Anlass nehmen, sich verstärkt um die Rechte von Hiwis zu kümmern. „Dass so viele Hiwis ihre Rechte nicht kennen, das ist erbärmlich“, sagt die Asta-Sozialreferentin Christin Eisenbrandt. Der Asta wolle einen Hiwi-Treff einrichten. Außerdem könnten sich studentische Hilfskräfte bei Fragen an das Campus Office von DGB und Asta wenden.

Kontakt: Campus Office, Anna Henkelmann und Johanna Jensen, Nora-Platiel-Straße 2, campusoffice@dgb.de

Von Marcus Janz

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