Freiheitstrafen für drei Angeklagte

Üble Straftat auf dem Spielplatz - Verurteilung nach Überfall

Kassel. Mit einer „Seuche, die sich durch die Gesellschaft zieht“, sah sich Richter Jürgen Stanoschek in einem am Mittwoch zu Ende gegangenen Prozess vor dem Landgericht konfrontiert.

Vor der 5. Strafkammer mussten sich drei junge Männer im Alter zwischen 22 und 29 Jahren verantworten, die einen 24-Jährigen überfallen und beraubt hatten. Gerichte müssen sich immer häufiger mit solchen Taten befassen. Das Kasseler Trio kassierte am Mittwoch Freiheitsstrafen zwischen zwei Jahren auf Bewährung und dreieinhalb Jahren. „Weniger war nicht möglich“, sagte Stanoschek. Was sich im April vergangenen Jahres ereignet hatte, war in seinen Augen eine „üble Straftat und kein Abrippen auf dem Spielplatz“.

Die drei hatten gegenüber der Polizei weitgehend gestanden, auch vor Gericht räumten sie die Tat ein. Demnach hatten sie an jenem Nachmittag Alkohol miteinander getrunken und Amphetamine geschluckt. Einen Tatplan hat es nach der Überzeugung des Gerichts nicht gegeben, doch in einem waren sich die drei einig: Sie meinten, bei dem 24-Jährigen Drogen zu finden und sie ihm abnehmen zu können. Die Idee kam von dem 26-jährigen Angeklagten, ihn verurteilte das Gericht zur höchsten Strafe von dreieinhalb Jahren. Er hatte Sturmmasken organisiert und ein Klappmesser in der Tasche.

So ausstaffiert warteten die drei im Treppenhaus vor der Wohnung des späteren Opfers. An dessen Tür tauchten überraschend zwei Besucher auf. Die drei Maskierten nutzen das als Chance, um in die Wohnung zu gelangen: Als sich die Tür öffnete, schoben sie die beiden verdutzen Gäste in die Wohnung, in der sich ein weiterer Besucher befand.

In der Wohnung verlangte der 26-jährige Angeklagte von dem vermeintlichen Dealer mit vorgehaltenem Messer das halbe Kilo Marihuana, dass er dort vermutete. Doch der hatte, wie er vor Gericht angab, nur ein paar Gramm Gras im Hause. Die drei Besucher wurden währenddessen von den anderen beiden Angeklagten im Bad in Schach gehalten. Weil in der Wohnung keine Drogen zu finden waren, zwang der 26-Jährige den angeblichen Dealer, bei einem Nachbarn zu klingeln, in der Hoffnung, dort seien Drogen gebunkert. Doch auch das brachte nichts.

Das Trio kassierte kurzerhand die überrumpelten Besucher ab, nahm ihnen Bargeld, Handys und eine Jacke weg. Wenig später wurden die drei von der Polizei festgenommen. Richter Stanoschek gestand am Mittwoch dem 22-jährigen Angeklagten zu, sein Geständnis sei am überzeugendsten gewesen, als Jüngster habe er sich zu der Tat überreden lassen.

Er kam mit zwei Jahren auf Bewährung davon. Der Älteste des Trios, der 28-Jährige, bekam drei Jahre, er hatte - während er die drei Besucher im Bad mit einem Messer bedrohte - einen von ihnen mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Die gesamte Tat, meinte Stanoschek, spreche für eine gewisse Unreife, die drei Angeklagten hätten, so der Richter, „ihren Platz in der Gesellschaft noch nicht gefunden“. (pas)

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