Uni-Klinikum nimmt modernen Zahnarzt-Übungsraum in Betrieb

Göttingen. An 40 Phantomköpfen können Studenten der Uni Göttingen seit diesem Semester ihre ersten Zahnfüllungen, das Bohren und Wurzelbehandlungen erproben. Rund eine Million Euro hat der neue Übungsraum gekostet. Laut Universität ist es der modernste zahntechnische Übungsraum Niedersachsens.

Im Mund ihres Patienten sieht es nicht gut aus. „Kariesbefall vor allem im hinteren Bereich“, sagt Regina Gather, Zahnmedizinstudentin im siebten Semester an der Universität Göttingen. Die Zähne im Unterkiefer zeigen dunkle Furchen, kleinere und größere, schwarze Löcher, freiliegende Zahnhälse und Verfärbungen.

„Das sind echte Zähne“, sagt Gather. Ganz im Gegensatz zu ihrem Patienten, einem von insgesamt 40 neuen sogenannten Phantomköpfen. Neben künstlichen Zähnen stellen Zahnärzte aus der Umgebung echte, gezogene zur Verfügung, die in das Phantomkopfgebiss geschraubt werden.

„Mit dem neuen Licht können wir viel besser in den Mund schauen, die Köpfe sind beweglicher und wir haben Bildschirme“, zählt Studentin Gather einige Vorteile auf. Die alten Köpfe seien sehr in die Jahre gekommen, sagt auch Michael Hülsmann von der Abteilung Präventive Zahnmedizin, Parodontologie und Kariologie. „Manchmal mussten wir abgefallene Teile mit Klebeband befestigen, andere konnten nicht ersetzt werden, weil sie nicht mehr hergestellt wurden.“ Manche Bohrer hätten sich nicht mehr gedreht, die Kühlung funktionierte teilweise nicht oder das Wasser lief aus, ergänzt die Leiterin des Phantomkurses, Tina Rödig. Durch den Umbau könnten Studenten das Arbeiten über ein Mikroskop erproben. „Und die Arbeitsplätze sind jetzt auch für Linkshänder ausgerichtet“, sagt Hülsmann.

Der neue Phantomkopfraum ist der erste Teil eines dreistufigen Modernisierungkonzeptes der Zahnmedizinabteilung. Bis zum Jahr 2013 sind weitere millionenschwere Neuerungen geplant. Alle 20 Jahre seien solche Sanierungen nötig, sagt Hülsmann. „Wenn Studenten mit der neuesten Technik üben, können sie sich später mit ruhigen Händen auf echte Patienten stürzen.“

Nur an eines müssen sich die angehenden Zahnärzte noch gewöhnen: Echte Patienten reagieren womöglich während der Behandlung. Die Phantomköpfe kennen keinen Schmerz.

Von Petra Neu

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.