Julius Kramm - Spitzname Jule - hatte zwei Gasthäuser und die erste Tankstelle

Uffn Schoppen zum Jule - Kasseler Gasthaus-Geschichte

Vor Kurzem haben wir einen Blick zurück in die Kasseler Gasthauskultur vor 100 Jahren geworfen. Daraufhin erreichten uns viele Zuschriften von Lesern, die sich ebenfalls an längst verschwundene Gastronomiebetriebe erinnern. Hier bilden wir einige der Geschichten ab.

Kassel. Vera Gleuel hat ihren Urgroßvater nicht mehr kennengelernt. Aber die Kasselerin kennt die Geschichten über Julius Kramm: Der Gastronom hatte nicht nur zwei Gasthäuser eröffnet und mit diesen den Durst der Kasseler gelöscht. Kramm betrieb auch Kassels erste Zapfsäule für Benzin an der Leipziger Straße, um den wachsenden Durst nach Treibstoff zu befriedigen.

In den 1910er- oder 20er-Jahren übernahm Kramm den Martinikeller an der Druselgasse (in der Nähe des Druselturms) und nannte ihn „Gastwirtschaft zum Jule“ - nach seinem Spitznamen. Wann genau die Übernahme stattfand, ist nicht belegt. Aus Unterlagen der Stadt geht hervor, dass das Gasthaus 1923 bereits den neuen Namen trug.

Gasthaus zur Lindenberger Höhe: Links im Bild die erste Kasseler Zapfsäule für Benzin.

Später kaufte der umtriebige Geschäftsmann ein neues Gasthaus an der Leipziger Straße 381 und nannte es „Zur Lindenberger Höhe“. Es befand sich aus Richtung der Stadt gesehen kurz vor der heutigen Autobahnauffahrt Kassel-Ost. Das Ausflugslokal hatte einen großen Biergarten mit Spielplatz für die Kinder. Die Bauern aus den benachbarten Dörfern hielten nach ihren Markttagen in Kassel dort mit ihren Fuhrwerken an, um sich zu stärken.

Besonders beliebt waren Kramms „Fuhrmannsfrikadellen“. Bis heute kennt Urenkelin Gleuel das Rezept: „Die Frikadelle wird in süß-saurer Soße serviert. Dazu gab es Salzkartoffeln und grünen Salat“, erzählt sie. Weil sich das Ende der Ära der Fuhrwerke abzeichnete, ließ der Gastwirt die erste Kasseler Zapfsäule für Benzin (Marke Olex - Vorläufer der deutschen BP) vor seiner Wirtschaft installieren. So schuf Kramm eine Frühform der modernen Raststätte. Anders als sein erstes Gasthaus in der Altstadt steht das ehemalige „Zur Lindenberger Höhe“ noch. Heute ist dort eine Glaserei beheimatet.

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