Kasseler Sneaker-Cleaner: "Diese Schuhe spalten die Massen"

Boah, sind die hässlich: Darum stehen gerade alle auf Ugly Sneaker

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Hässlich und teuer: Mit dem 650 Euro teuren Triple S von Balenciaga begann der Ugly-Sneaker-Trend.

Sie haben fette Sohlen, sind potthässlich und unbequem: Ugly Sneaker sind der fragwürdigste Modetrend der Saison. Schuld daran sind ein Luxus-Mode-Label und Väter von heute.

Was sind Ugly Sneaker?

Wie der Name schon sagt: hässliche Turnschuhe. Manche sagen auch "Dad Sneaker" dazu, weil schon die Väter der modischen Kids von heute solche Modelle in den 90er-Jahren trugen. Wichtigste Eigenschaften dieser Schuhe: Sie sind bunt, haben dicke Schnürsenkel und fette Sohlen.

Früher gab es so etwas beim Discounter, heute muss man für die gefragten Exemplare ein kleines Vermögen bezahlen. Verantwortlich dafür ist das Pariser Luxus-Mode-Label Balenciaga mit seinem 650 Euro teuren Modell Triple S. Der Sneaker sieht aus, als habe man einen Turnschuh in einen Turnschuh gesteckt und die dann in einen weiteren Turnschuh getan, schrieb ein Kritiker. Trotzdem war der Triple S bald ausverkauft und Kult. Heute bezahlen Sammler bei Auktionen dafür 1000 Euro.

Woher kommt der Trend?

Das ist eine gute Frage. Denn der Triple S sieht wirklich potthässlich aus, ist unbequem und wiegt "schon in Damengröße 39 so viel wie eine Bratpfanne", wie es in einem Verriss heißt. Aber Mode funktioniert nicht immer logisch. Dominic Trieschmann, der in Kassel als Sneaker-Cleaner alte Turnschuhe wie neu aussehen lässt und schon für Stars wie den Ex-Fußballer Kevin Kuranyi arbeitete, erklärt sich das so: "Ein Schuh wie der Triple S spaltet die Massen. Die einen finden ihn geil, die anderen potthässlich. Das bestätigt dann die Modebewussten."

In Musikvideos von US-Rappern gehören Ugly Sneaker längst ebenso zur Grundausstattung wie die wackelnden Hintern von leicht bekleideten Frauen. Und in Deutschland gibt es schon einen eigenen Song über den hässlichsten aber gefragtesten Turnschuh der Welt. In "Balenciaga" rappt der Berliner HipHopper Ufo361: "Keiner gönnt mir meinen Erfolg, ja. Leider hab ich's so gewollt, ja. Scheiß auf Dolce & Gabbana, ja. Gib mir, gib mir Balenciaga, ja." Seine Botschaft: Klassische Schönheiten wie weiße Nike oder oder schwarze Vans kann jeder tragen. Wer ungewöhnlich sein will, muss Mut zum Hässlichen haben.

Dieses Video ist ein Inhalt der Plattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

Wer trägt Ugly Sneaker?

Die Väter von heute, die in den 90er-Jahren solche Schuhe trugen, eher nicht. "Es sind gerade die jungen Menschen, die sich für modebewusst halten und denen ein teures Outfit wichtig ist", hat Sneaker-Cleaner Trieschmann festgestellt. Die einen bevorzugen den 180 Euro teuren Nike Air Max 97, laut Google der meistgesuchte Turnschuh des Jahres, andere goldene Modelle von Dolce & Gabbana. Sie können zu fast allem getragen werden. "Wichtig ist nur, dass die Hosen nicht zu lang sind, damit die Schuhe gut in Szene gesetzt werden können", wie Trieschmann sagt.

Kommen jetzt etwa auch die berüchtigten Buffalo wieder?

Nein, die sind schon längst wieder da. Models wie US-Star Gigi Hadid und Influencer haben die Kultschuhe mit den Plateau-Sohlen, die so hoch wie die Alpen sind, zuletzt populär gemacht. Das passt zum perfekt zum Revival der 90er-Jahre. Es fehlt nur noch, dass sich die jungen Frauen von heute auch ein Arschgeweih tätowieren lassen.

Wie lang wird der Trend anhalten?

Das kann niemand genau sagen. Trieschmann gibt dem Ugly-Sneaker-Hype noch ein Dreivierteljahr. Der Turnschuh an sich wird aber auch danach aller Wahrscheinlichkeit nach nicht totzukriegen sein. Vor zwei Jahren haben Sneakers ihren 100. Geburtstag gefeiert. 1985 konnte man mit ihnen noch rebellieren, wenn man wie der Grünen-Politiker Joschka Fischer zur Vereidigung im Hessischen Landtag Nike-Basketball-Stiefel trug. Heute haben sie selbst Vorstandsvorsitzende im Büro an. Aus den Sporttretern von einst sind die perfekten Schuhe für Zeiten geworden, in denen man ständig flexibel sein muss.

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