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Kassel demonstriert gegen Ukraine-Krieg: 1500 Menschen fordern sofortigen Frieden

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Von: Matthias Lohr

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Kassel steht für Frieden: So lautete das Motto der Kundgebung mit 1500 Menschen gestern Abend am Rathaus.
Kassel steht für Frieden: So lautete das Motto der Kundgebung mit 1500 Menschen Freitagabend am Rathaus. © Andreas Fischer

1500 Menschen demonstrierten am Freitagabend gegen den Ukraine-Krieg. Es war ein beeindruckendes Zeichen am Kasseler Rathaus. Ein Linken-Politiker wurde ausgebuht.

Kassel – Auch in Kassel herrscht Fassungslosigkeit über den Krieg in der Ukraine. Am Freitagabend um kurz nach halb sieben war Peter Carqueville den Tränen nahe, wie er wenig später sagte. Als Privatmann hatte das SPD-Mitglied nach dem russischen Angriff auf die Ukraine eine Kundgebung gegen den Krieg organisiert und mit 250 Teilnehmern gerechnet. Doch dann redete Carqueville auf der Rathaustreppe vor 1500 Menschen. „Ich glaube, es bringt was“, sagte er.

Es war jedenfalls ein eindrucksvolles Zeichen, das der Familienvater gemeinsam mit Grünen, SPD, CDU, Linken und FDP sowie dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) vor dem Rathaus Kassel auf die Beine gestellt hatte. In der Menschenmenge sah man viele ukrainische Flaggen, Friedensfahnen und Transparente. Auf einem stand „Liebe für alle, Hass für keinen“, auf einem anderen Plakat „Putin to hell“. Derweil spitzt sich die Situation im Ukraine-Krieg auch am Samstag (26.02.2022) weiter zu.

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Auch die Redner der Parteien und des DGB fanden passende Worte. Zum Auftakt mahnte Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD), dass „wir als Menschen und Weltbürger zusammenstehen müssen“. Zugleich sah er in Putin nach dessen Angriffskrieg „erschreckende Parallelen zu jemandem, der in unserem Land vor 80 Jahren das Heft des Handelns in der Hand hatte“.

Jenny Huschke (DGB) sagte, dass „die militärische Aktion durch nichts zu rechtfertigen“ sei. Ron-Hendrik Hechelmann (SPD) nannte Putin einen Diktator und bekannte, dass er „schockiert, traurig, wütend und fassungslos“ sei. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Boris Mijatovic warnte vor russischen Cyberattacken und Fake News im Netz: „Lassen Sie sich nicht von Putin an der Nase herumführen.“ Michael von Rüden (CDU) mahnte Solidarität mit der Ukraine an. Und Nils Walter (Junge Liberale) freute sich angesichts der vielen Menschen, die ein sofortiges Kriegsende forderten: „Es ist wirklich Wahnsinn.“

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Sie alle erhielten viel Applaus. Lutz Getzschmann wurde dagegen immer wieder ausgebuht. Zwar verurteilte auch der Linken-Fraktionschef im Stadtparlament den russischen Angriff, zugleich aber kritisierte er die Nato, die zur Eskalation beigetragen habe, und gestand Russland „berechtigte Sicherheitsinteressen“ zu. Damit provozierte er laute „Ukraine“-Sprechchöre der vielen Menschen aus dem osteuropäischen Land, die ebenfalls gekommen waren.

Bereits vor der Kundgebung hatte Kassels Oberbürgermeister Geselle in einer Pressemitteilung angekündigt, den flüchtenden Menschen aus der Ukraine Unterkunft und Schutz zu gewähren: „Das ist für mich ein selbstverständliches Zeichen von Mitmenschlichkeit und Solidarität.“ Leer stehende Liegenschaften, die geeignet seien, würden umgehend aktiviert. Wie 2015 sollen Sporthallen und Gemeinschaftshäuser nicht genutzt werden.

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Zugleich setzte die Stadt ein symbolisches Zeichen: Die Partnerschaften mit den russischen Partnerstädten Jaroslawl und Nowy Urengoi sollen „bis zur Rückkehr zu friedlichen Lösungsansätzen“ ruhen. Dies teilte Geselle in einem Brief seinen Amtskollegen mit. Er betonte aber auch, „dass man nicht gegen das russische Volk stehe, sondern die Kritik ausdrücklich der Staatsführung gelte“.

Die Kundgebung am Rathaus endete nach einer Stunde mit einer Lichterkette aus 1500 beleuchteten Handy-Displays. Der in Kassel lebende Ukrainer Stanislaw Badyra sagte: „Es ist überwältigend, so viele Menschen zu sehen.“ (Matthias Lohr)

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