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Ukrainer sagen „Danke“

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Von: Christina Hein

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Halten ukrainische Landesfarben hoch: Olga Olashyn (links) und Tetiana Reshetar bei der Demo am Freitag.
Halten ukrainische Landesfarben hoch: Olga Olashyn (links) und Tetiana Reshetar bei der Demo am Freitag. © Fischer, Andreas

Ukrainer in Kassel kümmern sich um die vor dem Krieg geflüchteten Landsleute und melden sich zu Wort.

Kassel. Bei den Demonstrationen gegen den Krieg in der Ukraine stehen sie in der ersten Reihe: Kasseler, die aus der Ukraine stammen. Das war bei der ersten großen Versammlung am 25. Februar vor dem Rathaus der Fall und auch bei der jüngsten am Freitag auf dem kalten Friedrichsplatz.

Ausgestattet sind sie mit ukrainischen Fahnen und Transparenten, auf denen zu lesen ist „Rettet die Ukraine –Ihr könntet die nächsten sein“ oder auch der verzweifelte Ruf „Stoppt Putin!“. Einige Frauen tragen Blumenkränze, den landestypischen Haarschmuck. Manchmal wird die ukrainische Nationalhymne angestimmt.

Über die knapp 150 Personen zählende Whatsapp-Gruppe der Ukrainer in Kassel und Umgebung informieren und formieren sie sich. Und melden sich mutig zu Wort. „Zu sehen, dass wir in Kassel so viel Solidarität erfahren, tut gut“, sagt Viktor Buryachok (39), ein Lehrer, der 2005 als Stipendiat nach Kassel gekommen war und geblieben ist.

Ukrainer aus Kassel mit Geflüchteten, Verwandten und Freunden aus den Kriegsgebieten, die in den letzten Tagen in Kassel angekommen sind, und die sie bei sich aufgenommen haben.
In Sicherheit: Ukrainer aus Kassel mit Geflüchteten, Verwandten und Freunden aus den Kriegsgebieten, die in den letzten Tagen in Kassel angekommen sind, und die sie bei sich aufgenommen haben. © Andreas Fischer

Bislang waren Ukrainer in Kassel nicht groß in Erscheinung getreten. Jetzt stehen sie geschlossen im Dialog mit den Kasselern und sagen ihre Meinung. Immer wieder waren bei den von SPD-Sprecher Peter Carqueville initiierten Solidarveranstaltungen „Danke“-Rufe aus der ukrainischen Gruppe zu hören: wenn ein Redner am Mikrofon die Solidarität der Kasseler mit den Ukrainern zum Ausdruck brachte.

Aber die Ukrainer bedanken sich nicht nur höflich, sondern äußern auch ihre Sicht in Richtung Kassel und der gesamten westlichen Welt. Etwa mit Appellen auf Plakaten an die Nato gerichtet: „Schließen Sie den Himmel.“ Damit fordern sie eine Flugverbotszone über der Ukraine.

Die meisten der in Kassel angekommenen Geflüchteten sind bei ukrainisch stämmigen Menschen – Verwandten oder Freunden – zum Teil beengt in Privatwohnungen untergebracht. Es werden stündlich mehr.

Gestern Nachmittag versammelte sich auf dem Königsplatz eine Gruppe von mehreren Dutzend Kasselern und frisch Angekommene zu einer Kundgebung, aber auch um sich zu treffen, um untereinander praktische Dinge abzusprechen und zu koordinieren.

Nataliya Romantsova (links), Fian Youssef und Olha Duoginska auf dem Friedrichsplatz in Kassel.
Melden sich zu Wort: Nataliya Romantsova (links), Fian Youssef und Olha Duoginska auf dem Friedrichsplatz. © Fischer, Andreas

Es war eine traurige Versammlung mit ernsten, geschockten, orientierungslosen Menschen. So wie die 63-jährige Nina, die am Wochenende mit dem Bus aus dem ukrainischen Lemberg über Berlin nur mit ihren Papieren und drei Katzen im Gepäck in Kassel angekommen war und jetzt bei der Familie ihrer Tochter wohnt. Sie kann ihre Tränen nicht zurückhalten: „Es ist ein Albtraum“, übersetzt jemand aus der Gruppe ihre Worte.

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