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Kritik an Plänen für Brüder-Grimm-Platz: Werden die Grimms nicht gewürdigt?

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Von: Thomas Siemon

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Kleines Denkmal für weltberühmte Brüder: Jacob und Wilhelm Grimm haben in der nördlichen Torwache gewohnt. Das Denkmal der Künstlerin Eika Maria Wiegand entsand 1985. Archiv
Kleines Denkmal für weltberühmte Brüder: Jacob und Wilhelm Grimm haben in der nördlichen Torwache gewohnt. Das Denkmal der Künstlerin Eika Maria Wiegand entsand 1985. Archiv © Bettina Wienecke/nh

Der Brüder-Grimm-Platz an der Wilhelmshöher Allee soll umgestaltet werden. Die Pläne würdigen die berühmten Namensgeber nicht angemessen, findet die Brüder-Grimm-Gesellschaft.

Kassel – Alles andere als märchenhaft findet die Brüder-Grimm-Gesellschaft die Pläne zur Umgestaltung des Brüder-Grimm-Platzes. Die Gesellschaft hat ihren Sitz direkt an dem Platz und vermisst bislang, dass die aus ihrer Sicht „bedeutendsten und weltweit bekanntesten Geistesgrößen Kassels“ angemessen gewürdigt werden. Davon sei in der bisher geführten Diskussion jedenfalls nicht viel zu hören gewesen, so Bernhard Lauer und Martin John für den Vorstand der Gesellschaft.

Wohnung der Grimms könnte rekonstruiert werden

Die kritisiert zum wiederholten Male, dass Kassel wohl das kleinste Grimm-Denkmal weltweit habe. Unabhängig davon bestehe jetzt die vielleicht einmalige Möglichkeit, die Grimms „an einem zumindest teilweise erhaltenen Ort ihres Wirkens“ angemessen zu würdigen. Mit diesem Ort ist die nördliche Torwache gemeint, in der die Grimms lebten und arbeiteten. Obwohl das Gebäude im Krieg beschädigt wurde, biete es immer noch die Chance zur historischen Rekonstruktion der Wohnung. Das Gebäude könne so zu einem herausragenden Brüder Grimm-Zentrum am gleichnamigen Platz werden, das neben einer Gedenkstätte auch Platz für Archiv und Bibliothek sowie eine Fläche für Kabinett-Ausstellungen bieten würde.

Kritik an Plänen kam aus anderen Gründen auf

Bisher spielen solche Überlegungen keine größere Rolle. Kassels Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) hatte zuletzt zu mehreren Ortsterminen eingeladen. Kritiker verweisen immer wieder auf die Sichtbeziehungen am Brüder-Grimm-Platz die durch die geplante Anpflanzung von Kiefern gestört würden. So war das auch am Wochenende bei einem weiteren Rundgang mit anschließender Diskussion in den Räumen des Friedrichsgymnasiums. Immerhin gehe es um denkmalgeschützte Gebäude wie das Hessische Landesmuseum, die Torwache, das Hotel Hessenland bis zum Gartendenkmal auf dem Platz.

Umbaupläne sollen bis zum Sommer beschlossen werden

Stadtbaurat Nolda hat bislang immer wieder deutlich gemacht, dass er zu dem Wettbewerbsergebnis für den Platz steht, es aber immer Möglichkeiten für Verbesserungsvorschläge gebe. So habe man auf die Kritik zu den Sichtachsen bereits reagiert. Im Vergleich zum Wettbewerbsentwurf habe es hier Veränderungen für mehr Durchblick gegeben.

Geplant ist, dass die Stadtverordneten bis zur Sommerpause einen Beschluss zum Brüder-Grimm-Platz treffen. Baubeginn soll dann im Frühjahr oder Sommer 2023 sein. Die Stadt rechnet mit einer Bauzeit von zwei Jahren.

Brüder Grimm lebten in direkter Nachbarschaft

Würden die Grimms noch leben, hätten sie einen guten Blick auf die Arbeiten. In einem Brief an seinen Freund Achim von Arnim vom 21. Juni 1814 beschreibt Wilhelm die Lage der Wohnung in der Torwache als still und ländlich mit einem schönen Blick ins frische Grün. Mit der Ruhe ist es an angesichts der heute viel befahrenen Wilhelmshöher Allee schon länger vorbei. Daran ändert wohl auch die Planung nichts, dass der Verkehr künftig nur noch über zwei statt vier Spuren laufen soll.

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