Was der Umbau der Museumslandschaft wirklich kostet, steht erst 2014 fest

Kassel. Was kostet der Ausbau der Museumslandschaft Kassel wirklich? Das weiß offenbar niemand so genau. Bisher war im hessischen Kunstministerium immer von 200 Millionen Euro die Rede, die für den Ausbau zur Verfügung stehen.

Jüngst stellte man dann eine Kostensteigerung bei begonnenen Projekten von mindestens 24,5 Millionen Euro fest.

Einsparmöglichkeiten

Nun heißt es, die 200 Millionen Euro seien lediglich eine grobe Schätzung des Frankfurter Architekturbüros Speer aus dem Jahr 2004. Inzwischen wurde beispielsweise die Mehrwertsteuer um drei Prozent erhöht. Auf der anderen Seite, sagt der Sprecher des Ministeriums, Dr. Ulrich Adolphs, gebe es möglicherweise auch Einsparmöglichkeiten. Genaueres werde man erst im Jahr 2014, wenn die Baumaßnahmen weitgehend abgeschlossen sind, wissen.

Mehrkosten müsse das Ministerium aber sozusagen selbst erwirtschaften: Wenn ein Bau teurer werde, müsse anderswo umgeplant werden.

Tatsache ist: Von den 200 Millionen Euro werden 50 Millionen allein für die Planung ausgegeben. Diese Zahl macht stutzig - ein Viertel der Summe soll nicht für die Bauarbeiten, sondern allein für die Planungen verwendet werden.

Kein Prüfungsgegenstand

Ist das ein Fall für unabhängige Rechnungsprüfer, die Steuerverschwendungen auf der Spur sind? „Wir haben das registriert“, sagt Peter Mäurer, Sprecher des Landesrechnungshofes Hessen. Aber er sagt auch: „Das ist zurzeit kein Prüfungsgegenstand.“ Ein Anstoß für eine mögliche Prüfung „aus dem parlamentarischen Raum“ heraus könne jedoch hilfreich sein.

Die Grünen im hessischen Landtag haben die Kostensteigerung von mindestens 24,5 Millionen Euro für die Museumslandschaft (hauptsächlich verursacht durch Probleme bei der Herkules-Sanierung) bereits kritisiert: Man müsse fragen, ob Ministerin Eva Kühne-Hörmann ihr Amt noch im Griff habe.

Das Ministerium sieht das ganz anders: In den 50 Millionen Euro Planungskosten für die Museumslandschaft stecke einiges. Zu den Architekten- und Ingenieurleistungen kämen etwa noch Umbauzuschläge (alte Gebäude zu modernisieren sei oft aufwändiger als neu zu bauen), Recherchekosten und Geld für Bauforschungen hinzu. Museen seien Sonderbauten wie etwa Krankenhäuser, und da werde alles teurer.

Beim Ausbau des Klinikums Kassel liegen die Planungskosten zwischen 21 und 23 Prozent. Außerdem seien im Fall Landesmuseum (1,5 Millionen Exponate) auch alle Umzugskosten (Verpackung, Transport) in den Planungskosten enthalten. Wie auch die Ablösung der Tapeten im Tapetenmuseum.

Eine genaue Auflistung aller Planungskosten war jedoch auch mehrere Tage nach der Anfrage beim Ministerium nicht zu bekommen. Weitere Artikel

Von Frank Thonicke

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