Alkoholismus: Einrichtungen und Selbsthilfegruppen informierten über Hilfsangebote

Umfeld leidet am stärksten

Griff zur Flasche: Wenn der Halt im Leben fehlt, suchen viele Menschen Trost im Alkohol. In Deutsch-land sind 1,7 Millionen Menschen stark alkoholabhängig. Foto: dpa

Kassel. 1,7 Millionen Menschen sind in Deutschland stark alkoholabhängig. Die Dunkelziffer dürfte bei 2,7 Millionen liegen. Davon geht Manfred Engelke, stellvertretender Vorsitzender des Blauen Kreuzes Kassel, aus. Für Kassel gibt es keine Statistik.

Engelke und Vertreter anderer Einrichtungen informierten gestern bei einer Pressekonferenz im „Blauen Café“ über Hilfsangebote für Alkoholkranke und deren Angehörige. „Die Angehörigen trifft es oft am stärksten“, berichtet Petra Hammer-Scheuerer von der Suchtberatung des Diakonischen Werkes Kassel. Bei Alkoholkranken trete häufig eine Wesensveränderung ein, sie könnten ausfallend und gewalttätig werden. Das alles müssen die Angehörigen mittragen. Und häufig versuchen sie, das Problem aus Scham zu verbergen. Die Folge: soziale Isolation. Laut Engelke sind inklusive der Angehörigen bundesweit 15 bis 20 Millionen Menschen von der Alkoholproblematik betroffen.

Allein in Kassel führt die Suchtberatung des Diakonischen Werkes jährlich 700 bis 800 Beratungsgespräche. Davon werden etwa 150 Menschen ambulant behandelt und 300 in eine stationäre Behandlung vermittelt. Das Blaue Kreuz berät jährlich laut Hans-Peter Schwadron, Sprecher der Sprengel-Arbeitsgemeinschaft Kassel der Freundeskreise im Diakonischen Werk, rund 500 Personen.

Für Dr. Karin Müller, Leiterin des Gesundheitsamtes Region Kassel, ist Prävention ein wichtiger Faktor. „Man sollte Alkohol nicht verteufeln, aber man muss frühzeitig darüber aufklären, wann Alkoholkonsum gefährlich wird“, sagt sie. Insbesondere Angehörigen raten alle Beteiligten, ihr Schweigen zur brechen, über das Problem zu reden und Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen. Auch am Arbeitsplatz müssten Vorgesetzte laut Dienstvereinbarung Alkoholkranke auf die Problematik ansprechen und Unterstützung anbieten. Alkoholsucht ist als Krankheit anerkannt. Wichtig sei ebenso, die möglichen Konsequenzen offen anzusprechen, sagte Müller. Anders als Alkoholkranke erhalten ihre Angehörigen keine staatliche Hilfe. „Umso wichtiger sind die ehrenamtlichen Hilfsangebote“, sagt Engelke.

Weitere Informationen: KISS, Telefon 05 61 / 9 20 05-53 99, www.selbsthilfe-kassel.de Blaues Kreuz: Telefon 05 61 / 2 07 55 88-36, www.blaues-kreuz.de/kassel Suchtberatung Diakonisches Werk Kassel, Telefon 05 61 / 93 89 50, www.dw-kassel.de Sprengel AG, Telefon 0 56 09 /80 42 50, www.diakonische-suchthilfe.de (mkx)

Von Mirko Konrad

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