Umweltpsychologie untersucht Auswirkungen des natürlichen und sozialen Umfelds - Schwerpunkt in Kassel

Was das Umfeld mit der Seele macht

Stress durch Lärm: Wer Einfluss nehmen kann, etwa durch Schließen des Fensters, fühlt sich meist schon besser, wissen Umweltpsychologen. Foto: picture alliance

Kassel. Wie beeinflusst die Umwelt den Menschen? Und wie gehen Menschen mit der Umwelt um? Die Wechselwirkungen zwischen Menschen und ihrer natürlichen sowie sozialen Umwelt stehen im Mittelpunkt der Umweltpsychologie.

In dem neu eingerichteten Bachelor- und Masterstudiengang Psychologie wird dieses Fachgebiet an der Uni Kassel als ein Studienschwerpunkt angeboten. Das ist in Deutschland einzigartig.

Für Professor Dr. Ernst-D. Lantermann ist die Uni Kassel prädestiniert für das Pilotprojekt. 60 von 300 Fachgebieten beschäftigen sich mit dem Thema Umwelt. „Das bietet enorme Kooperationsmöglichkeiten“, sagt Lantermann, einer der Pioniere in der Umweltpsychologie. Seit Mitte der 1970er Jahre beschäftigt er sich mit dem Thema.

Lärm mindert Motivation

„Umweltpsychologen interessieren die kognitiven, emotionalen und Verhaltensaspekte der Wechselwirkungen zwischen Menschen und ihrer Umwelt“, erklärt er. Ein typisches Beispiel ist die Situation am Arbeitsplatz. Schall und Lärm etwa führen häufig zu einer geringeren Arbeitsmotivation. Deutlich weniger wirken sich diese Störfaktoren laut Lantermann auf die Motivation aus, wenn die Menschen sie kontrollieren können, etwa durch das Schließen des Fensters.

„Durch die Untersuchung der psychologischen Auswirkungen verschiedener Umwelteinflüsse auf die Menschen versuchen wir, Handlungsmöglichkeiten zu optimieren und zum Wohlbefinden der Menschen beizutragen“, sagt der Professor. Dies kann sich etwa auf die Gestaltung von Arbeitsräumen, Spielplätzen und Schulen wie auch auf die Organisation in Einrichtungen wie Alters- und Pflegeheimen beziehen. Ebenso steht der Einfluss von Landschaften und Architektur auf das Wohlbefinden und die Gesundheit der Menschen im Fokus.

Als Berater gefragt

Das Spektrum der Arbeitsschwerpunkte auch außerhalb des Wissenschaftsbetriebs ist groß. Es reicht von der Arbeits- und Betriebsorganisation über Umwelt- und Klimaschutz bis hin zu Stadtplanung und Verkehr. „Umweltpsychologen arbeiten etwa als Berater, Lehrer, Trainer oder Manager dort, wo ein Bedarf an umweltpsychologischem Wissen besteht“, erläutert Lantermann. Sie kooperierten mit Behörden, die für Umweltfragen zuständig seien – sei es für Lärmschutz, Abfallvermeidung, Luftreinhaltung oder Kommunalentwicklung.

Darüber hinaus seien ihre Kompetenzen bei Unternehmen, Organisationen, Parteien, Kirchen oder Bildungsträgern gefragt. „Die Arbeitsgebiete erstrecken sich vom unmittelbaren ökologischen Nahraum bis hin zur globalen Sphäre“, sagt der Experte. Er ist zuversichtlich, dass dieser Studienschwerpunkt von den Psychologie-Studierenden gut angenommen wird. Überdies stehen den Studenten mit ihm und Prof. Dr. Andreas Ernst gleich zwei Experten mit umweltpsychologischem Schwerpunkt zur Verfügung. Das Projekt ist zunächst auf fünf Jahre angelegt.

Von Mirko Konrad

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