Umfrage zur Wahl: Kasseler CDU droht ein Debakel

Kassel . Der Kasseler CDU droht bei der Kommunalwahl und der Oberbürgermeisterwahl am 27. März eine herbe Niederlage. Nur 8,9 Prozent der Wahlberechtigten würden dem OB-Kandidaten der Union, Ernst Wegener, momentan ihre Stimme geben. Das ergab eine Umfrage.

Amtsinhaber Bertram Hilgen (SPD) hingegen liegt dabei deutlich vorn: Knapp 38 Prozent der Wähler würden für ihn votieren, wenn am nächsten Sonntag gewählt würde. 28,1 Prozent der Befragten gaben allerdings an, noch nicht zu wissen, wen sie wählen werden - unter diesen Unentschlossenen sollten die Kandidaten noch punkten können.

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Das sind Ergebnisse einer Umfrage von Studierenden der Universität Kassel unter der Leitung des Politikwissenschaftlers Prof. Michael Haus im Auftrag der HNA.

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Die Umfrage-Ergebnisse sind eine Momentaufnahme zum Zeitpunkt der Befragung. Sie sind keine Prognose für den Wahlausgang am 27. März, denn anders als bei Bundes- oder Landtagswahlen gibt es für die kommunale Ebene keine Vorhersagemodelle, mit denen man die Stimmabgabe vorausberechnen kann.

Doch die Ergebnisse zeigen eindeutig, dass die CDU von ihren Zielen, OB Hilgen abzulösen und stärkste Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung zu werden, weit entfernt ist. Würde am nächsten Sonntag über die Stadtverordneten abgestimmt, käme die Union bei den Befragten auf 19 Prozent der Sitze im Rathaus, die SPD auf 38,2 Prozent, die Grünen auf 25, die Linke auf 8,9 Prozent, die FDP auf 4,3 Prozent, die Freien Wähler auf 1,6 und AUF auf 0,5 Prozent.

Fast 83 Prozent der Befragten gaben an, den CDU-Kandidaten Wegener nicht oder nur dem Namen nach zu kennen. Prof. Haus folgert aus den Zahlen: „Die Kasseler CDU hat nur noch dann eine Chance, wenn es ihr gelingt, ihren Kandidaten bekannt zu machen und sich dem Duell mit dem amtierenden Oberbürgermeister mit offenem Visier zu stellen.“ (hai)

Hintergrund: Interviews per Telefon

Die Wahlumfrage haben 25 Studierende der Uni Kassel im Rahmen eines zweisemestrigen Projektkurses gemacht. Betreut wurden sie vom Politikwissenschaftler Prof. Michael Haus. Die Studierenden haben den Fragebogen konzipiert, die Telefoninterviews geführt sowie den Datensatz erstellt und ausgewertet. 357 Wahlberechtigte wurden befragt. Sie wurden zufällig ausgewählt: Die Telefonnummern wurden von einem Computer erzeugt, befragt wurde derjenige im Haushalt, der als nächster Geburtstag hat. In Bezug auf das Alter der Interviewten ist die Befragung repräsentativ. Frauen sind leicht überrepräsentiert, deshalb wurde hier rechnerisch gewichtet. Bei der Befragung sind Wahlberechtigte mit höherer Bildung leicht überrepräsentiert. Das kann dazu führen, dass die Grünen etwas besser abschneiden und die „großen Parteien“ etwas schlechter. (hai)

Kasseler, bekannt, erfahren

Was die Wähler vom Oberbürgermeister-Kandidaten verlangen, spricht für Amtsinhaber Bertram Hilgen

Kassel. Es sieht so aus, als hieße Kassels Oberbürgermeister auch nach dem Ablauf der jetzigen Amtszeit Bertram Hilgen: 37,7 Prozent der Wahlberechtigten sagten bei einer Umfrage der Uni Kassel im Auftrag der HNA, sie würden dem SPD-Politiker ihre Stimme geben, wäre am kommenden Sonntag OB-Wahl.

Für Ernst Wegener, der für die größte Oppositionspartei CDU gegen Hilgen antritt, stimmten bei der telefonischen Befragung nur 8,9 Prozent der Wahlberechtigten. Der Ministerialbeamte aus Wiesbaden wird offenbar noch nicht in Kassel wahrgenommen, auch wenn er schon seit Wochen Hausbesuche macht: 49,2 Prozent der Befragten sagten, Wegener sei ihnen unbekannt, 33 Prozent gaben an, lediglich seinen Namen zu kennen. Ein deutlicher Wert: Mehr als 80 Prozent der Wähler wissen nichts oder nicht viel über den Mann, der in vier Wochen Kassels Oberbürgermeister werden will. Bei Amtsinhaber Bertram Hilgen ist das anders: 74,2 Prozent der Befragten gaben an, etwas über ihn zu wissen, nur 10,8 Prozent war Hilgen unbekannt.

Der OB-Kandidat der Kasseler Grünen, Dr. Andreas Jürgens, kam bei der sogenannten Sonntagsfrage auf 10,3 Prozent der Stimmen. 31,3 Prozent gaben an, etwas über den Landtagsabgeordneten zu wissen.

Linken-Kandidat Kai Boeddinghaus kam bei der Befragung auf drei Prozent der Stimmen, Bernd W. Häfner von den Freien Wählern auf 0,9 Prozent, der Piraten-Kandidat Olaf Petersen auf 1,2 Prozent. Fast ein Drittel der Befragten, nämlich 28,1 Prozent, gab an, noch nicht zu wissen, wen sie wählen sollen. 8,3 Prozent machten keine Angabe auf diese Frage.

Der Politikwissenschaftler Prof. Michael Haus, der die Umfrage betreut, folgert aus den Zahlen, dass Hilgen Chancen hat, schon im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit zu erhalten. Denn auch weitere Ergebnisse der Befragung sprechen für den Amtsinhaber von der SPD: 54 Prozent der Befragten sind mit der Arbeit des amtierenden Oberbürgermeisters zufrieden, 7,6 Prozent sogar „sehr zufrieden“.

Über 50 Prozent gaben an, es sei ihnen wichtig, dass ein OB-Kandidat aus Kassel kommt. Mehr als 77 Prozent ist es wichtig, dass ein Kandidat Erfahrung mit Leitungsfunktionen in der öffentlichen Verwaltung hat. „Schon dieses von den Wählern geforderte Profil aus Herkunft und Verwaltungserfahrung zeigt, dass Bertram Hilgen gute Chancen hat“, sagt Prof. Haus.

Mehr als die Hälfte der Befragten, 55,4 Prozent, gab an, ihnen sei bei der OB-Wahl die Person des Kandidaten wichtiger als die Partei. Etwa 17 Prozent ist beides gleich wichtig, 24,3 Prozent machen ihre Entscheidung von der Partei des Kandidaten abhängig.

Von Uli Hagemeier

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