Umrüstung oder Neuanschaffung von Funkmikrofonen verursacht hohe Kosten

Funkmikrofone: Umstieg wird richtig teuer

+
Störungen sind jederzeit möglich: Jan-Philipp Jansen, der bei der Firma Auditiv eine Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik absolviert, mit Funkmikrofonen. Die bisherigen Funkfrequenzen werden künftig von den Mobilfunkbetreibern für das Breitbandnetz für moderne Handys (links) genutzt.

Kassel. Spätestens ab 2015 müssen die Tonanlagen auf neue Frequenzen umgestellt werden oder es müssen ganz neue Mikrofonanlagen gekauft werden. Im Kasseler Staatstheater hat Georg Zingsem ausgerechnet, welche finanziellen Folgen der Frequenzwechsel bei den Funkmikrofonen haben könnte.

„Wir rechnen mit 300.000 Euro Kosten“, sagt der Technische Direktor. Im Staatstheater gibt es jede Menge Funkstrecken, die nicht nur bei Musicals, sondern auch für den Betriebsfunk zum Beispiel der Bühnentechnik genutzt werden. Man könne sich keine Störungen leisten, sagt Zingsem: „Wir wollen für die Zuschauer Premium-Qualität haben“. Noch ist unklar, ob die Technik umgerüstet werden kann oder komplett ersetzt werden muss. Ebenso unklar ist, ob und in welcher Höhe Zuschüsse fließen. Einen Etat für diese Kosten gibt es nicht, „ich kann dann nur um Hilfe rufen“, ahnt Zingsem.

„Wir müssen alle von den Frequenzen runter“, sagt Karsten Fahlbusch. Der Geschäftsführer der Kasseler Firma Auditiv-Veranstaltungstechnik hat auch schon ausgerechnet, was er demnächst investieren muss. Die Umrüstung und Neubeschaffung der 30 Mikrofon-Funkanlagen des Unternehmens kosten annähernd 25 000 Euro.

Profis bleibt keine Wahl

Gerade die Profis, die ihr Geld damit verdienen, dass sie auf Veranstaltungen für perfekten Sound sorgen, können es sich ebenfalls nicht leisten, auf den bisherigen Frequenzen zu bleiben. Schon die jetzt zu erwartenden Testläufe der Mobilfunkbetreiber, die starke Sender für das künftige Breitbandnetz aufbauen, können die Mikrofonanlagen empfindlich stören. „Dann bist du weg“, beschreibt Fahlbusch die Folgen für den Redner oder Musiker, der gerade auf einer Bühne steht.

Umgekehrt sind Störungen des Mobilfunks kaum möglich, weil die drahtlosen Mikrofone nur geringe Sendeleistungen haben. Das ist auch der Grund, weshalb die kürzlich an die Mobilfunker verkauften Frequenzen noch bis 2015 weiter für Funkmikrofone genutzt werden dürfen.

Betroffen sind auch die Macher des „Theaters im Centrum“ am Akazienweg. „Gerade als nicht subventioniertem Musicaltheater fällt uns diese zusätzliche Investition schwer“, sagt Theaterbetreiber Michael Fajgel. Er rechnet mit mindestens 3000 Euro Kosten für die Umrüstung, ein Neukauf der zehn Funkmikrofone würde die doppelte Summe verschlingen.

Ton Direkt-Geschäftsführer Sebastian Schulze-von Hanxleden hält die Folgen des Frequenzverkaufs zwar für „in der Tat ärgerlich“, sieht aber für seine Branche keine größeren Probleme. Bereits 2010 habe er neue Mikrofone gekauft, die auf neuen Frequenzen arbeiten. Hersteller hätten früh reagiert. An der Umrüstung älterer Technik führe aber kein Weg vorbei. Auf 10 000 Euro beziffert er seine Umrüstungs-Kosten. ARTIKEL UNTEN

Von Jörg Steinbach

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.