Umstrittene Tiershows

Proteste: Zirkus mit Elefanten und Seelöwen

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Teil des Ensembles: Ein Clown, Artisten und Dompteure mit Tieren wollen bei der Show des Zirkus Knie das Publikum begeistern.

Kassel. Sie versprechen eine Show, die Kassel so schnell nicht vergessen wird: „Wetten, dass wir Sie begeistern“ lautet das Motto des Zirkus Charles Knie, der von Mittwoch, 17. Oktober, bis Dienstag, 23. Oktober, auf der Schwanenwiese gastiert.

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„Höhepunkt unserer Show werden die Elefanten und Seelöwen sein“, schwärmt Pressesprecher Sascha Grodotzki. Auch ein Känguru, das durch die Manege springe, sehe man nicht überall.

Doch wo immer der Zirkus in Deutschland in diesem Jahr seine Zelte aufschlägt, wird er von Protesten begleitet. Der Vorwurf: Die Tierhaltung sei nicht artgerecht. Der Zirkus selbst hingegen wirbt offensiv mit seinen Tiershows und weist Vorwürfe zurück.

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„Unsere Tiere haben große Auslaufgehege und sind in Menschenobhut geboren. Die Tiere würden in freier Wildbahn gar nicht überleben“, sagt Sascha Grodotzki. Der Vorwurf, dass der Zirkus Knie die Tiere zu artwidrigen Verhalten in der Manege zwinge, sei falsch. „Einen Elefanten, der sich auf die Hinterbeine stellt, können sie auch in der freien Wildbahn entdecken“, sagt Grodotzki.

Der Leiter des Kasseler Tierheims Wau-Mau-Insel, Karsten Plücker, widerspricht: „Die Tiere im Zirkus werden gequält.“ Von artgerechter Haltung könne man nicht sprechen. Bekannte Zirkusbetriebe wie Flic Flac und Cirque Du Soleil seien der Beleg, dass ein Zirkus auch ohne Tiernummern attraktiv sein könne.

Sascha Grodotzki

Zirkussprecher Grodotzki sieht das anders: „Wenn die Mehrheit der Bevölkerung gegen Tiershows im Zirkus wäre, könnten wir nicht überleben.“ Das Kasseler Amt für Tierschutz werde in den kommenden Tagen unangemeldet die Tierhaltung des Zirkus überprüfen. Zu den Kontrollen werde sich die Stadt in den nächsten Tagen äußern, teilte Sprecherin Petra Bohnenkamp mit.

Anzeigen erstattet

In diesem Jahr wurde schon zweimal gegen den Zirkus Charles Knie Anzeige wegen dessen Tierhaltung erstattet, bestätigt Grodotzki. „Die Tierschutzorganisationen Peta und Vier Pfoten haben behauptet, dass unser Training den Tieren schade beziehungsweise der Transport zu einzelnen Auftrittsorten zu lange dauere.“ In beiden Fällen sei das Verfahren jedoch eingestellt worden.

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Der Transportwagen für die Elefanten, dies hätten Veterinärämter bestätigt, sei sogar dafür geeignet, die Tiere 24 Stunden darin unterzubringen. Es gebe jedoch eine Minderheit in der Gesellschaft, die man mit sachlichen Argumenten nicht überzeugen könne, sagt der Pressesprecher.

„Noch nie hat man in einem so großen Maße versucht unser Gastspiel zu sabotieren, wie in Kassel“, sagt Grodotzki. Plakate seien zerstört oder überklebt worden. Zwei Personen habe man auf frischer Tat ertappt und Anzeige erstattet.

Demonstration

Kritiker haben für Mittwoch, 14 Uhr, eine Demonstration an der Schwanenwiese angekündigt.

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Von Florian Quanz

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